Montag, 13. Dezember 2010

Arbeit, Freizeit und Krankheit in Amerika

Ok, mein heutiger Blogtitel ist doch etwas provokativ gewählt, aber ich wollte einfach noch einmal ein bisschen Mitleid dafür erhaschen, dass ich die letzten 3 ½ Tage mit einer Grippe im Bett verbracht habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ging es mir dabei gar nicht so schlecht, meine Mitbewohner haben sich in regelmäßigen Abständen nach meinem Befinden erkundigt und mir alles mögliche angeboten, Freunde haben frischen Chai-Tee und DVDs vorbeigebracht und meine Chefin hat mich mit Mandarinen und Hühnerbrühe versorgt. Und eine Mama, die mir mit 23 noch die Brust mit Wick einreibt kann ich wahrscheinlich wirklich nicht verlangen… Außerdem weiß ich jetzt endlich dank der Lektüre von sämtlichen „Cosmopolitans“ des letzten Jahres die hier im Haus zu finden waren, was der „Otto-Normal-Mann“ denkt, fühlt und doch nicht aussprechen kann und dass ich im Jahr 2011 nach einem Schützen Ausschau halten sollte, da dieser 10 von 10 Punkten auf der Liebes- und 9 von 10 Punkten auf der Erotik-Skala verspricht. Nun, wie werden sehen…

So, da nun das erste Mitleids-Thema abgehakt wäre, kommen wir zum nächsten: meinem Job. Nein, Scherz beiseite, ich bin hier wirklich glücklich. Denn ich habe für mich festgestellt, dass die direkte Kommunikation mit meinen Klienten - also, dass ich das Resultat meiner Arbeit direkt sehen kann – mir unheimlich gut tut. (Keine Sorge Papa, das heißt nicht, dass ich in Deutschland vorhabe zur Einzelhandelskauffrau umzuschulen.)

Zu meinem Job: Vom direkten vorbereiten der Mahlzeiten und der Kommunikation mit unseren „clients“ (eine bessere Übersetzung als Klienten/Kunden, fällt mir nicht ein), über Büroarbeit, bis hin zum Leiten einer Vorstandssitzung (nach 8 Wochen hier), habe ich schon alles gemacht und es macht mir weiterhin einen riesen Spaß. Dennoch bin ich natürlich auch schon das ein oder andere Mal auf die Nase gefallen. Denn einige meiner „Zöglinge“ wissen meine Hilfe auch ganz gezielt für sich zu nutzen, bzw. überzustrapazieren, weshalb ich am Anfang vor allem lernen musste Grenzen zu setzen.

Eines habe ich jedoch auf jeden Fall gelernt: Menschen nicht zu schnell vorzuverurteilen. Ich war mir immer ziemlich sicher, dass man es mit etwas Eigeninitiative immer auch allein im Leben schaffen kann und so jeder seines eigenen Glückes Schmied ist – was ja ziemlich genau dem amerikanischen Traum entspricht. Aber mittlerweile habe ich begriffen, dass bestimmte Sicherungsmechanismen manchmal eben nicht greifen, dass jeder falsche Entscheidungen im Leben trifft – manche sind eben einfach gewichtiger als andere – und vor allem, dass ich nicht im entferntesten die Gründe für einige Reaktionen oder Handlungen meiner Klienten nachvollziehen kann, weil ich eben einen ganz anderen Hintergrund habe und niemals mit Problemen, wie sie sie jeden Tag zu bewältigen haben konfrontiert wurde.


Dies ist die Schlange bei einer unserer "Food-Banks" bei denen wir wöchentlich die grundlegenden Lebensmittel, wie Brot, Gemüse oder auch Konserven und manchmal Fleisch an Bedürftige in der Gemeinde verteilen.

Bisher habe ich also vor allem Verständnis und Geduld zu haben gelernt, zwei Tugenden von denen ich wahrhaft etwas mehr gebrauchen konnte. (Aber wir werden nach meinem Weihnachtsurlaub zuhause sehen, ob meine Eltern dem auch so zustimmen ;-)

Was meinen Job hier besonders spannend macht ist definitiv auch meine Chefin. Sie ist 60, sieht aber deutlich jünger aus und sprüht nur so vor Energie. (Vielleicht ist dies auch ein Grund, weshalb sie schon in ihrer 3. Ehe ist – für ihren Mann ist es übrigens schon die 5te.) Naja, jedenfalls kennt sie jeden, sitzt in zahlreichen Vorständen und wird zu jeder erdenklichen Art von Event eingeladen. So habe ich durch sie schon sehr viele interessante Persönlichkeiten kennengelernt, spannende Abende verbracht und auch jegliche Unterstützung durch sie erhalten (siehe eben auch die Hühnerbrühe). Was jedoch nicht ihr Fall ist, ist Büroarbeit. Aber dazu hat sie ja mich und um ehrlich zu sein, ist diese hier wirklich zu einer entspannten Abwechslung für mich geworden und ich genieße es der Excel- und Word-Profi auf der Arbeit zu sein (ich weiß, dass jetzt einige lachen werden), der tolle Statistiken erstellt und einige Dinge mal etwas überarbeitet.


Das sind Alice (meine Chefin), ihr Mann und ich beim Weihnachtsbaum-Absägen. Ich sag ja, Powerfrau!

Ach ja, da war ja auch noch ein Wörtchen in der Überschrift. Freizeit. Ich würde jetzt gar nicht Mal generell behaupten, dass Amerikaner keine Freizeit haben, aber ihre vorhandene Freizeit nutzen sie einfach anders als wir es gewohnt sind. Sie spenden sie. Ob der eigenen Kirchengemeinde (wie bereits erwähnt, bei der Auswahl der eigenen Gemeinde hat man hier ein riesiges Angebot und kann bestimmt aus mehr als 50 wählen), dem Krankenhaus, ganz normal einem Sportverein, der Feuerwehr oder eben auch amerikaweit operierenden Organisationen wie der Salvation Army, fast jeder den ich hier kenne, arbeitet in seiner Freizeit irgendwo ehrenamtlich, was ich grundsätzlich total toll finde. (Ich habe einmal den Fehler gemacht eine Diskussion darüber zu beginnen, ob es sinnvoll ist eine größere Anzahl von Stunden jede Woche unentgeltlich im Krankenhaus zu arbeiten, während dieses alle 5 min Werbung auf jeglichen Radiokanälen für seine tollen neuen Behandlungsmethoden macht – meiner Ansicht nach liegt hier kein mangelndes Budget vor, sondern einfach die falsche Verwendung von zur Verfügung stehenden Mitteln und wie sehr ich einem Krankenhaus vertrauen soll, welches viel Werbung macht, auf der anderen Seite aber auf die freiwillige Mitarbeit von Ehrenamtlichen angewiesen ist um am Laufen gehalten zu werden, ist dann doch meine Sache. Ich hoffe also, dass mir nach dieser Grippe weitere Krankheiten erspart bleiben!)

So, ich bin jetzt gespannt, welcher Kulturschock mich bei meinen „Ferien“ in Deutschland erwarten wird, wenn ich nicht einfach bei meiner Zahlung an der Supermarkt-Kasse angeben kann, dass ich gern 10€ von meinem Konto abheben möchte. Und ich freue mich natürlich riesig darauf euch alle, oder hoffentlich die meisten, über Weihnachten wiederzusehen.

Montag, 29. November 2010

Mein erster und zweiter Ausflug nach Kanada

Zunächst aber mein Fazit zu Chicago: Es ist eine aufregende Stadt mit für amerikanische Verhältnisse viel Kultur und Geschichte, in welcher man wirklich eine schöne Zeit haben kann, wenn man sich denn warm genug anzieht! Denn wie mir eine Amerikanerin in London im März erklärt hat (als ich noch nicht genau wusste in welche Stadt es hier gehen wird) „Chicago is windy and cold!“

Das nächste Wochenende haben wir dann ebenfalls für einen Ausflug genutzt und sind zu den Niagara Fällen aufgebrochen. Dazu haben wir dann einen Mietwagen genommen. Den kleinsten Mietwagen, den man hier in Port Huron (und damit wahrscheinlich auch in ganz Michigan und den meisten Staaten von Amerika) bekommen kann ist übrigens ein Chevrolet HHR, was größenmäßig ungefähr einem Passat Variant entspricht. Bei immer noch wunderbarem Sommerwetter haben wir uns also aufgemacht hier in Port Huron die Grenze zu überqueren und Kanada zu erkunden. Nach ein-zwei Fragen zu unserem Reiseziel, mitgebrachten Gütern, etc. wurde uns von der Grenzbeamtin ein schöner Tag gewünscht und wir konnten einreisen (das sollte auf unserem Rückweg später ganz anders aussehen). Die erste Überraschung an diesem Tag war für mich, dass Kanada in Kilometern und nicht Meilen rechnet und auch Grad anstatt Fahrenheit hat. Und was soll ich sagen, es ist schon cool, wenn man plötzlich wieder ein Gefühl für Entfernungen hat (auch wenn unser Tacho ja immer noch Meilen angezeigt hat und wir uns deshalb wahrscheinlich nicht ganz ans Tempo-Limit gehalten haben.)

Die zweite Überraschung des Tages gab es dann für uns in der Stadt Niagara Falls. Hatten wir beide eher einen Naturpark um die berühmten Fälle und vielleicht ein paar Hotels erwartet. So empfingen uns tausende bunt-blinkende Lichter, Spielhallen, 3D-Kinos, zahlreiche Händler von Billigwaren (wie man sie sonst aus dem Sommerurlaub am Mittelmeer kennt) und noch mehr Fast Food Restaurants (in dieser Hinsicht unterscheiden sich Kanadier übrigens kaum von Amerikanern, außer dass ihre Fast Food Restaurants ein kleines bisschen mehr für die Umwelt und ihre Mitarbeiter tun…-angeblich). Ach ja, was ich nicht vergessen sollte: auch die Fälle selbst wurden in verschieden farbigem Licht angestrahlt. Um das Ganze Spektakel zu vollenden gab es in der Nacht übrigens auch noch ein Feuerwerk über den Fällen. Ich glaube, im ersten Moment waren wir beide etwas geschockt, aber als wir dann am nächsten Morgen wieder aus der Hotel-Lobby auf die Fälle geschaut haben, sah alles schon viel friedlicher und durch die bunten Bäume wirklich natürlich schön aus. Mein Tipp wäre also: Kommt im Hellen bei den Niagara Fällen an, wenn ihr sie denn besuchen wollt!

Nach einer Bootsfahrt direkt unter die Fälle und einem Spaziergang zur Abbruchkante, haben wir den Ort Niagara Falls dann aber auch schon wieder verlassen. Was euch an dieser Stelle vielleicht noch interessieren könnte und was ich von unserer Tour behalten habe: Jeder zweite Mensch, der sich bisher absichtlich oder auch unabsichtlich die Fälle hinuntergestürzt hat, hat überlebt! (Trotzdem würde ich es niemandem empfehlen und ich denke auch, dass es sich hierbei ausschließlich um den kanadischen Teil handelt, da beim amerikanischen Teil – ich glaube in den 60er Jahren viel Geröll abgebrochen ist und diese nun nicht direkt in Wasser, sondern zunächst auf Stein stürzen.)

Dabei fällt mir noch etwas Interessantes ein: Die Niagara Fälle werden sozusagen an- und ausgeschaltet. Denn den Fällen vorgelagert ist ein Staudamm, der in der Nacht Wasser staut und dieses dann am Tag wieder ablässt. So sind sie also die Nordamerikaner: schalten ihre Wasserfälle an und aus…



Auf unserem Rückweg haben wir dann noch kurz einen Abstecher ins kanadische London gemacht, bevor wir ein weiteres Mal versucht haben die Grenze zu überqueren. Dieses Mal mit eher mäßigem Erfolg! Denn nach einer kurzen und eher unfreundlichen Konversation mit dem Mann im Häuschen wurden wir gebeten an die Seite zu fahren, die Fenster des Wagens zu öffnen, die Autoschlüssel abzugeben und einem Beamten in ein Häuschen zu folgen. Als ich eingewendet habe, dass aber ja Handy und Kamera im Auto auf der Rücksitzbank liegen würden und ich die Fenster lieber schließen würde, wurde mir nicht besonders freundlich begegnet, ob ich denn wirklich glauben würde, dass bei der Anzahl an Sicherheitspersonal und Kameras jemand klauen würde. Da hatte der Mann vielleicht nicht ganz unrecht, dennoch lasse ich ungern mein Hab und Gut in einem Auto, das völlig offen steht und dessen Schlüssel eine mir unbekannte Person mit sich trägt!

Naja, nach ein ¾ Stunde Warten in einem zu kleinen Raum mit Personen aus hauptsächlich orientalischen Kulturkreisen wurden wir dann endlich ins Großraumbüro der Grenzbeamten vorgelassen um unser „Vergehen“ zu klären. Nach einer weiteren halben Stunde in der zumindest geklärt wurde, dass Philip nicht einfach so über den Landweg einreisen durfte – er kam ja schließlich aus Deutschland…- und er für die erneute Einreise bezahlt hatte, kamen wir dann zu mir. Denn ich war der weitaus kompliziertere Fall. Das Problem war, dass ich Geld für meine Arbeit erhalte (mehr oder weniger ja wirklich nur ein Taschengeld!) und ein Visum für gemeinnützige Arbeit habe, worunter man ausschließlich unbezahlte Arbeit versteht. Letztlich wurde mein Fall dann dem Schichtleiter vorgetragen, der mich dann wieder hat einreisen lassen. (Und wir hatten noch Glück, eine Dame hinter uns wurde ganz anders behandelt. Ihr Bruder wurde wegen irgendeines Verbrechens gesucht und sie hat immer wieder beteuert, dass sie seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm hat, das wollten die Beamten ihr aber nicht so recht glauben und haben sie echt ganz schön in die Mangel genommen.)

Nachdem Philip dann abgereist war stand dann auch schon Halloween vor der Tür! (Ich befinde mich übrigens in einem Wahnsinns-Dekorations-Marathon: Zuerst wurden aller Vorgärten mit Kürbissen, künstlichen Spinnennetzen, Skeletten, Spinnen und Ähnlichem für Halloween geschmückt, dann kamen die aufgeblasenen Truthähne (kein Witz und sie sind an die 2m breit und hoch!) für Thanksgiving und fast zeitgleich auch schon Schneemänner, Weihnachtsmänner, Schlitten, Elfen und Engel. Dabei gilt bei den meisten Amerikanern die Devise: Kein Weihnachten vor Thanksgiving! Was das wiederum heißt weiß ich jetzt auch schon, gestern und damit genau einen Tag nach Thanksgiving haben alle Radiosender angefangen ununterbrochen Weihnachtslieder zu spielen…) Nun aber zunächst zu Halloween. Ich denke, dass Amerikaner Halloween als Kompensation dazu nutzen, dass sie kein Karneval oder Fasching haben. Denn die Kostüme sind noch ausgefallener und knapper als ich sie vom Bonner und Kölner Karneval kenne!

Nach einem Besuch im Halloween Store, habe ich mich dann doch gegen das unheimlich knappe Schiedsrichter-Kostüm entschieden und meine eigenen Klamotten genutzt um als Pirat zu gehen. Zur Wahl standen übrigens außerdem March Simpson und ein Dirndl (ein amerikanisches Halloween-Dirndl wollte ich dann aber doch nicht.)

Das Wochenende nach Halloween sind wir alle gemeinsam ins Nirgendwo von Michigan zu unserem ersten Retreat aufgebrochen. Die Reise dorthin war schon spannend: sieben Erwachsene + Gepäck für fünf Tage inklusive Schlafsäcken und Wandersachen in einem Minivan von der Größe eines Opel Zafira… (ich dachte wir seien in Amerika und hätten damit Zugang zu vielen GROSSEN Autos, aber wenn man sie braucht…) Deshalb war die dreistündige Fahrt auf dem Freeway dann auch nicht die bequemste. Aber das eigentlich Witzige unserer Reise für mich kam nach dem Freeway: ein Kreisel. Denn Amerikaner sind keine Kreisel gewöhnt, wir sind wohl auf eines der wenigen Exemplare überhaupt gestoßen, weshalb wir davor angehalten haben und dann gemeinsam das Konzept eines Kreisels diskutiert haben, bevor wir reinfahren konnten.

Die vorgesehene Unterkunft für unser Retreat, wie ihr euch schon an den Schlafsäcken denken könnt, war ein summer camp. Es mag vielleicht an meinen Englisch Kenntnissen liegen, aber meiner Ansicht nach passen „summer“ und der Monat November nicht außergewöhnlich gut zusammen – was sich auch bewahrheiten sollte – es war schweinekalt! Aber wir hatten Glück, unsere kleinen Blockhütten hatten Zentralheizung. Allerdings ist es doch seltsam mit 20 weiteren Mädels in einem Raum zu schlafen… Dennoch haben mir diese Tage unheimlich gut getan. Wir waren wirklich mitten in der Wildnis von Michigan. Ein See, viele Bäume und an einem Morgen als ich zum Joggen aufgebrochen bin, standen direkt vor unserer „Lodge“ zwei riesige Rehe (fast Elche von ihrer Größe) und haben mir in die Augen geschaut, als ob sie sagen wollten, „wer zuerst blinzelt muss das Revier hier verlassen.“

Aber nun näher zum eigentlichen Retreat. Unter anderem haben wir dort unsere eigene Persönlichkeit näher erforscht, was bei mir nicht wirklich Überraschungen hervorgetan hat. Ich denke, dass ich:
- Den Impuls habe wirklich zu leben
- Ich gern meine Grenzen austeste
- Das Bedürfnis von Variationen in meinem Leben habe
Und vor allem:
- Warten als emotionalen Tod empfinde
Wusstet ihr auch alle schon vorher.
Vor allem letzteres mussten meine Eltern glaube ich ziemlich häufig leidvoll erfahren…



Dennoch haben mir die vier Tage viel gebracht. Zu reflektieren, wie wir selbst unsere Stärken auf unserer Arbeit und in unseren Beziehungen besser einbringen und unsere Schwächen durch Stärken anderer kompensieren können, ist nichts wirklich Neues, und dennoch denkt man immer wieder „stimmt“ warum mache ich dies nicht schon längst. Ich bin jetzt kein neuer Mensch, aber ich bin einen Schritt weitergekommen – denke ich ;-)

Außerdem Teil des summer camps war ein Hochseilgarten. Dieser war mal definitiv höher als alle, die ich bisher in Deutschland gesehen habe und es sind doch eine Menge der Teilnehmer aus den Übungen gefallen… was es nicht leichter gemacht hat als absolut Letzte in die Bäume zu klettern! Als ich ungefähr die Hälfte der Elemente überwunden hatte, hat es dann auch noch angefangen zu schneien. Ich habe mich wahrscheinlich noch nie in meinem Leben an etwas so fest gehalten, wie an den Seilen in diesen Bäumen, was zur Folge hatte, dass ich die nächsten drei Tage kaum Zähneputzen konnte, da ich meine Arme nicht mehr heben konnte. Den krönenden Abschluss des Hochseilgartens muss ich aber noch erwähnen: Diesen machte ein Element, bei dem man zunächst einige Meter in die Tiefe gesprungen ist, bevor das Seil gegriffen hat und einen dann wie bei einer Seilbahn zu Boden gebracht hat. Wenn das keine Vorbereitung auf meinen bevorstehenden Fallschirmsprung war…

Nach diesen Erfahrungen in der Wildnis stand dann wieder Großstadt auf meinem Reiseplan. Es ging ein zweites Mal nach Kanada, dieses Mal nach Toronto. Dort habe ich mich mit Daniel, einem Bekannten aus Ravensburg getroffen um die Stadt unsicher zu machen. Das kann man so auch ziemlich wörtlich nehmen, denn Daniel hatte sich vorher vor allem über die angesagtesten Clubs in Toronto informiert und so sind wir dann im „This is London“ gelandet. 3 Ebenen, wobei die dritte ausschließlich die Frauentoilette war: Mit Frisöse, die einem noch einmal die Haare zurecht gesteckt hat. Obwohl auch ich ein Kleid anhatte, habe ich mich dennoch ziemlich underdressed gefühlt und irgendwie fehl am Platz. Aber ich hatte eine spaßige Nacht und bin mir nun immerhin ziemlich sicher, dass mir auch die zugegebenermaßen kleinen Clubs und ihre geringe Anzahl in Port Huron ausreichen. Insgesamt kann man Toronto als super saubere Stadt, mit vielen interessanten kulturellen Einflüssen zusammenfassen, die mein Herz jedoch nicht erobert hat…

Bei meiner hiesigen Überquerung der Grenze wurde ich nach zwei-drei Fragen zu meinem Ziel, meinem Wohnort und warum ich denn die Schlange vor der Grenze gewechselt hätte (das darf man wohl nicht) problemlos wieder ins Land gelassen...

Und abschließend zu den letzten Tagen und damit Thanksgiving. Da dieses vom Stellenwert hier in Amerika gleich nach Weihnachten kommt, verbringt man es mit der Familie und isst einfach unglaublich viel. Deshalb waren auch alle ziemlich besorgt um mich, da ich Thanksgiving ja nun nicht mit meiner Familie feiern konnte. Von den zahlreichen Einladungen, die ich erhalten habe, habe ich mich dann für die von Sarah´s Familie entschieden. Sarah´s Bruder hat uns also Mittwochabend abgeholt und zu ihnen nach Hause gefahren. Die Familie lebt in einem total süßen Haus direkt hinter einem Park, mit einem abgetrennten Garten (das ist hier in Amerika eher unüblich) und neben vielen Bäumen auch einem Whirlpool in diesem (den wir dann später am Abend auch noch ausprobiert haben). Am eigentlichen Thanksgiving-Morgen sind wir dann früh aufgestanden und nach Detroit gefahren um dort die 2. Größte Parade des Landes anzuschauen (die größte ist natürlich in NY). Nachdem wir uns dort im wahrsten Sinne des Wortes die Füße abgefroren haben – sonst wird Kundenservice hier so groß geschrieben wie nirgends, aber es gab keinen einzigen Kaffee- oder Kakaoverkäufer (um Glühwein fange ich gar nicht erst an zu betteln…), ging es dann wieder zurück zu Sarah nach Hause um sich für’s Essen fertig zu machen. Zum Essen kamen dann zahlreiche Familienangehörige und Freunde und wir haben uns die Mägen genüsslich mit: Truthahn, Mashed Potatoes, Süßkartoffeln, Stuffing, Bohnen, verschiedenen Salaten, Cranberries, Pumpkin- und Applepie, etc. vollgestopft. Nach diesem tollen und so gemütlichem Tag bei Sarah’s Familie sollte dann aber die eigentliche Herausforderung des Wochenendes auf mich warten: Meine Rückfahrt nach Port Huron! Denn ich hatte Pläne für’s Wochenende hier und ich wollte Sarah auch allein noch etwas Zeit mit ihrer Familie gönnen.

Weshalb meine Rückfahrt eine Herausforderung war? Ganz einfach, weil es hier ja so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. In mühevoller Recherche hatte ich mir also einige Tage zuvor einen Bus von Detroit zur Kreuzung 23th Road – Gratiot ausgeguckt, wo ich dann in einen Bus nach Port Huron umsteigen wollte. Mit Nate, einem Freund von mir, war ausgemacht, dass er mich bei Sarah abholt (er hat Freitag direkt bei ihr um die Ecke gearbeitet) und mich dann mit in die Stadt nimmt, da wohnt er nämlich, damit ich dann von dort den einzigen Bus des Tages in Richtung Port Huron nehmen könnte. Meiner Ansicht nach war dies eine super Planung, da es für alle Beteiligten die wenigsten Umstände bedeutete. Und vor allem die einzige Möglichkeit, denn am Wochenende und an Feiertagen fahren hier keine Busse.

Meine einzige Option nach Hause zu kommen, habe ich dann aber schon vor meiner Abreise bei Sarah verstreichen sehen, da Nate ein kleines bisschen später war. Mein Glück: Er hat mich dann direkt zu meinem eigentlichen Bus gebracht. An dieser Bushaltestelle bin ich allerdings eine Stunde zu früh angekommen und ich wollte nicht, dass er auf mich warten muss, weshalb ich ihn nach Hause geschickt habe. Da es draußen eiskalt war, habe ich mir also das nächste Fast-Food Restaurant gesucht um dort auf den Bus zu warten. Und da war ich nicht die Einzige. In diesem Restaurant saßen schon um die 20, ausschließlich farbige Menschen, die außer mir auf den Bus warteten. Deshalb hatte ich dann eine wirklich witzige Stunde mit einer ca. 50 jährigen Frau, ihrem Sohn der stark übergewichtig war und mir etwas jünger erschien als ich und José aus Mexico, der so um die 60 gewesen sein muss. Allerdings war es wirklich erschreckend, dass ich die einzige im ganzen Bus war, die mit einer heilen Reisetasche gereist ist. Die meisten anderen waren mit Plastiktüten ausgestattet, wobei sogar diese Plastiktüten in vielen Fällen schon Löcher aufgewiesen haben. Diese Rückfahrt hat mein Thanksgiving also noch einmal in ein ganz anderes Licht gerückt…

Dienstag, 9. November 2010

Vom Einfall der Deutschen in Amerika und einigem mehr

Ja, ich weiß, dass mein letzter Eintrag eine Weile her ist und dafür möchte ich mich auch bei allen fleißigen Lesern herzlich entschuldigen! Aber mit meinem „Einleben“ hier ist eben auch ein voller Terminplan verbunden, denn mittlerweile habe ich neben meinen Dates mit Lucky sowohl Deutsch-Nachhilfe, als auch Deutsch-Unterricht für Interessierte auf meiner wöchentlichen To-Do-Liste.

Genug der Ausreden (ein bisschen faul war ich nämlich sicherlich auch), ich komme jetzt lieber zu all den Ereignissen der letzten Wochen, bzw. des kompletten letzten Monats – noch einmal ENTSCHULDIGUNG!

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe:
- Ich dachte immer, ich kann gut Eislaufen – in Michigan gehöre ich definitiv eher zur unteren Mittelschicht in Sachen Schlittschuhlaufen!
- Der legale Waffenbesitz ist tatsächlich eines der amerikanischen Ideale
- Das Gesundheitsamt ist keine deutsche Erfindung und auch Suppenküchen unterliegen strengster Kontrolle
- Die Deutschen sind in Chicago eingefallen ;-)
- In Kanada ist es Stripperinnen erlaubt sich komplett auszuziehen, während hier in Amerika das Höschen nicht ausgezogen werden darf…
- Jedes Land hat die freie Wahl, wann es seine Zeit von Sommer- auf Winterzeit umstellt – in der letzten Oktoberwoche zu reisen kann also ungeahnte Probleme mit sich bringen!
- Halloween-Kostüme sind noch freizügiger als Kostüme im köllschen Karneval
- Die Deutsche Bahn ist vielleicht doch nicht so schlecht wie ich (und vor allem mein Papa) immer dachten (ich weiß, dass einige meiner Freunde im Raum Stuttgart jetzt laut aufschreien werden, ich denke fest an euch!)
- Das einzige Thema der Grünen in Amerika ist die Legalisierung von Gras
- 1 voller Haushalts-Abfalleimer hat bereits 37 volle Abfalleimer der Industrie verursacht (das sind jetzt amerikanische Zahlen, dennoch denke ich, dass wir darüber alle einmal nachdenken sollten!)
- und noch viel, viel mehr…

Aber nun möchte ich euch etwas detaillierter an diesen Lernprozessen teilhaben lassen.

Das Eislaufen war, wie so viele Events hier, ein Fundraising Event, was bedeutet, das Geld für irgendwelche gemeinnützigen Zwecke gesammelt wird – in diesem Fall für Highschool-Sport. (Ohne zu lügen, werden wir bestimmt zu 3 Fundraising Events jede Woche eingeladen, manchmal mit dem Hintergrund selber etwas zu erstellen, das ist dann z. B. die Arbeit in Community-gardens, oder man entwirft ein Bühnenbild für ein Theater, oder man spendet ganz simpel durch eine Teilnahmegebühr, oder eben eine normale Spende, da sollten aber mittlerweile alle wissen, dass wir da nicht die beste Zielgruppe sind ;-)

Zurück zum Eislaufen. Ich habe mich riesig darauf gefreut, denn Schlittschuhlaufen macht mir echt Spaß und ich Deutschland war ich auch immer relativ stolz auf meine Fähigkeiten…

Hier habe ich das Gefühl, gibt es nur die totalen Anfänger und die absoluten Cracks – davon nicht zu wenig. Aber ich habe mir sagen lassen, dass Michigan zahlreiche Eishockey-Jugendligen hat, weshalb ich nicht mehr ganz so deprimiert über mein negatives Auffallen war. (Dabei sei gesagt: Ich war nicht die schlechteste, zwei deutlich übergewichtige Teenager haben dann doch noch etwas lustiger ausgesehen, was eventuell aber auch an den Körperproportionen lag, die von so schmalen Kufen getragen wurden.)

Inspiriert vom Fundraising Event ging es am darauffolgenden Freitag (ich habe wirklich zu lange nicht mehr geschrieben, muss ich gerade mal an meinem Vokabular feststellen…) zum örtlichen Eishockey-Derby. Das war wirklich ein Erlebnis! Denn unsere Fighting Falcons lagen im 3ten Drittel 3:10 hinten, weshalb dann eine riesige Schlägerei losging – nicht unter den Fans wohlgemerkt, unter den Spielern. Das ganze Spiel war für mein Verständnis relativ aggressiv gewesen, aber mit nur noch 2 (oder 3 – ich weiß es nicht mehr genau) Spielern auf dem Feld, da alle anderen mit Penalty kurz- oder langfristig gesperrt waren, hatte das Spiel nun definitiv seinen Höhepunkt erreicht. Um meinen Schrecken etwas in Grenzen zu halten (oder auszubauen – ich weiß es nicht) hat mir Sarah dann erklärt, dass man hier in Michigan auch zu sagen pflegt: „Oh eine Schlägerei, lasst uns ein Eishockey-Spiel anzetteln.“

Am nächsten Morgen haben Philip (der mich 10 Tage besucht hat) und ich uns dann mit dem Zug auf den Weg nach Chicago gemacht, was eine wirklich spannende Angelegenheit war.



Denn zum Einen ist Cicago eine großartige Stadt, zum Anderen entspricht reisen mit dem Zug hier mal so gar nicht meinen persönlichen Vorlieben. Bin ich in Deutschland gern in der letzten Minute in den Zug gehüpft, so muss man hier mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt bereitstehen um zu boarden. (bewusst nicht in „“ gesetzt, denn es heißt wirklich so!) Man zeigt dem Schaffner seinen Ausweis, die Tickets werden vorab geprüft und dann wird man dem speziell für einen vorgesehenen Waggon zugewiesen. Das einzig wirklich sinnvolle an dem ganzen Prozedere ist, dass der Schaffner darauf acht nimmt, dass Vierer-Plätze auch wirklich für Gruppen oder Familien freigehalten werden und, dass nur genau so viele Tickets verkauft werden, wie Sitzplätze zur Verfügung stehen – man muss also nicht irgendwo im Gang neben einer defekten Toilette lungern und die Bahn macht auch keinen Reibach mit Sitzplatzreservierungen – aber vielleicht befindet man sich hier gerade im Benchmarking-Prozess und diese Vorteile werden auch weichen müssen. Sind dann irgendwann alle Reisenden soweit platziert, kann der EINZIGE Zug am Tag dann den Bahnhof verlassen.

Angekommen in Chicago haben wir zunächst unsere Uhr um eine Stunde zurückgestellt (mit dem Zug in eine andere Zeitzone zu reisen ist schon cool, wie Philip festgestellt hat) um dann festzustellen, wie große Bahnhöfe in Amerika aussehen: Wie eine alte, widrig belichtete Lagerhalle! Wirklich! Nachdem wir dem Wirrwarr des Bahnhofs nach einer gefühlten halben Stunde dann entkommen sind, hat uns Chicago mit Regen und, wer hätte das gedacht: Wind empfangen! (Chicago wird hier auch „The windy City“ genannt)

Tja, was blieb uns am ersten Tag also anderes übrig als shoppen zu gehen ;-) Mein Fazit: Es lohnt sich! Nur ein Beispiel: Ich habe super tolle neue adidas Joggingschuhe für 60$ erstanden! Eine weitere Feststellung: Chicago ist überlaufen von Deutschen! Egal wo wir hingegangen sind, ein paar deutsche Worte konnten wir immer herauspicken. (Das witzigste war dabei wohl, dass wir uns auf dem Heimweg köstlich über eine deutsche Bekanntschaft in der Bar amüsiert haben, während wir auf zwei vor uns laufende, deutsche Studenten getroffen sind. Etwas enttäuscht war ich hingegen, als ich einer Frau die Museumstür aufgehalten habe und ich ihr auf ihr „Danke“ ein „Bitte“ erwidert habe, welches sie nicht registriert hat.)

To be continued…
…pretty soon – I promise!

Donnerstag, 23. September 2010

Was passiert...

… wenn man nicht mehr in der Nachbarschaft von Peer Steinbrück und Guido Westerwelle wohnt:

Und jetzt heißt es: Mama und Papa bitte erstmal hinsetzen, alles halb so wild! Denn heute hat jemand 5 Blöcke entfernt seine Frau als Geisel genommen und ein paar Stunden die Polizei in Schach gehalten. Deshalb mussten alle Schulen und öffentlichen Gebäude in der Umgebung abgeschlossen werden, sodass jeder der drin war auch tatsächlich drin blieb und andersrum. Das eigentlich dramatische an der Sache ist nur, dass die direkten Nachbarn des etwas durchgedrehten Herrn sich stattdessen lieber Stühle und etwas zu Essen mit auf die Veranda genommen haben, um dem Spektakel unmittelbar beizuwohnen. Mein scheint hier also Situation wie diese durchaus gewöhnt zu sein. Letztendlich wurde der Herr gefasst und alles geht wieder seinen gewohnten Gang…

Es ist aber nicht der erste Mann der letzten Tage, der festgenommen wurde. Denn Donnerstag hat direkt vor unserer Haustür ein Undercovercop einen Drogendealer auffliegen lassen, der so schnell wohl nicht mehr die Luft der Freiheit schnuppern wird.

Aber es gibt auch positive Neuigkeiten! Und zwar haben wir endlich unsere Fahrräder, die ich mit meinem neuen Dienstwagen letzte Woche bei einem wunderbaren, älteren Ehepaar abgeholt habe, die diese netterweise für uns repariert haben. Dabei bin ich in den Genuss gekommen ein wahrscheinlich wirklich typisch amerikanisches Haus von innen kennenzulernen: Eine süße Küche mit jeglichen Elektrogeräten, in diese hat man übrigens einen direkten Zugang durch die Garage. Ein kleiner Garten, der es ermöglicht ein nettes Schwätzchen mit den Nachbarn zu halten. Ein Hobbykeller für den Mann sowie ein kleiner Bereich für´s (tägliche?) Workout. Was mich aber wirklich neidisch gemacht hat: das riesengroße Bett! Aber vielleicht kommt das ja auch irgenwann nochmal in meinem Leben...



Ich habe mein Fahrrad am Sonntagmorgen jedenfalls gleich zu einem kleinen Ausflug an den See, die Brücke nach Kanada und in die etwas gehobeneren Teile Port Hurons genutzt, in welchen man dann auch einen direkten Zugang vom Garten zum See hat. Die meisten Häuser haben dabei eine Hollywood-Schaukel mit Blick über den See auf der Düne und teilweise auch einen Liegeplatz für´s eigene Boot ÜBER dem Wasser(die Boote werden hier meist elektrisch aus dem Wasser gehoben und liegen dann auf einer Art Sockel – keine Ahnung weshalb, denn besonders hohe Wellen habe ich hier noch nicht erlebt).

Obwohl es ein super schöner Morgen bei tollem Wetter war, bin ich lediglich einer weiteren Fahrradfahrerin begegnet. Die Amerikaner sind dann doch eher für auswärts Frühstücken am Sonntagmorgen, oder im anderen Extrem für Sport im YMCA zu haben. Dort bin ich seit gestern auch Mitglied, bzw. Stipendiantin und freue mich jetzt auf Schwimmen, Zumba und Yoga! Ein YMCA ist übrigens deutlich mehr als ein deutsches Fitness-Studio: Annähernd so viele Räume wie für´s Workout gibt es nämlich auch für die Kinderbetreuung der verschiedenen Altersklassen. Außerdem gibt es überall Fußbodenheizung, einen Badeanzugtrockner und eine Sauna – diese würden wir aber eher als türkisches Dampfbad bezeichnen. Von den meisten Bereichen kann man übrigens auf den Fluss und damit auch auf Kanada schauen: ich freu mich also schon alles auszuprobieren!

Und… ich habe diese Woche einen typischen amerikanischen Apfelkuchen gebacken! Das ging so: Plastiktüte öffnen und Boden, der bereits im Alu-Behälter ausgerollt war, herausholen. 2. Plastiktüte öffnen und vorgekochte Äpfel auf dem Boden ausbreiten (ich habe mir sogar die Mühe gemacht sie anzuordnen), 3. Plastiktüte öffnen und Geliermasse über den Äpfeln ausbreiten, 4. Plastiktüte öffnen und Streusel über all diese Zutaten verteilen – und ab in den Ofen.

Mein ganz persönliches Highlight der letzten Woche habe ich übrigens auf der Arbeit erlebt: Ich habe für Alice (meine Chefin) den Geschäftsbericht des letzten Quartals geschrieben;sie fand ihn gut und ich hatte keine Grammatik-Fehler! Yeah, so kann es weitergehen! Um aber auch des Deutschen mächtig zu bleiben, werde ich ab Oktober sowohl Deutsch-Nachhilfe, als auch Deutsch-Stunden für Erwachsene geben. Auf beides bin ich sehr gespannt, bei dem Nachhilfeunterricht betrifft das eher die Motivation der Schüler, bei den Deutsch-Stunden die Erwartungen meiner Zuhörer! Ich stürze mich also bisher noch sehr motiviert in dieses Abenteuer und ihr werdet von meinem Erfolg oder Misserfolg hören!

Sonntag, 12. September 2010

Jetzt weiß ich auch...

welchen Stellenwert „Sicherheit“ im Leben der Amerikaner hat. Denn auch wenn man in einigen Staaten ohne Helm Motorrad fährt, so versucht man dennoch jedes Risiko einer Verletzung aus dem Alltag zu verbannen. So haben am Freitag die alten Damen in der Suppenküche ein großes Brett genutzt um darauf die Kartoffeln zu schneiden. Als ich dann ein kleines Messer genommen habe und sie direkt in meiner Hand durchgeschnitten habe, habe ich fast einen Eklat ausgelöst! Das sei viiiieeel zu gefährlich, ich dürfte niemals ein Messer in Richtung meines Körpers bewegen, etc. Naja, ich habe ihnen dann erklärt, dass es in Deutschland jeder so macht und ich mich wahrscheinlich nicht verletzten werde und mir heimlich gedacht, dass meine Oma ihren Schock des Lebens gehabt hätte, wenn sie die Damen so hätte Kartoffeln teilen sehen.

Allerdings sollte ich am Freitag dennoch in einen kleinen Unfall verwickelt werden. Und zwar hole ich jetzt schon seit ungefähr einer Woche meinen neuen boyfriend regelmäßig zu einem Spaziergang ab. Um jetzt keine Verwirrung zu stiften: Er ist zwei Jahre alt, heißt Lucky und ist ein Golden Retriever (für alle, die jetzt seufzen, er ist wirklich unglaublich süß und Fotos werden folgen). Jedenfalls liebt Lucky –genau wie Mona – Eichhörnchen und Wasser. Wasser kann einem glücklicherweise im Gegensatz zu Eichhörnchen aber nicht plötzlich über den Weg laufen… Und die Eichhörnchenpopulation übersteigt unsere in Deutschland um ein vielfaches –weshalb ich vielleicht auf Lucky´s Sprint hätte vorbereitet sein sollen. Jedenfalls hat sich mein Stammhirn in dieser einen Sekunde dummerweise für und nicht gegen die Leine entschieden und so hat Lucky mich einfach hinter sich hergeschliffen. Zum Leidwesen meiner Knie. Blutend wie eine 4-Jährige nach den ersten Radfahrversuchen habe ich also den Rückweg angetreten. Dabei haben mir zahlreiche Menschen Hilfe und Pflaster angeboten, wobei mir alles über den Zaun gereicht wurde, da man ja nicht wissen kann, welche Krankheiten mein Blut so ausdünstet. Ok, das ist jetzt wirklich gehässig, aber es waren wirklich alle auf genügend Sicherheitsabstand bedacht!



Abgesehen von meinem kleinen Unfall hatte ich aber wirklich eine sehr tolle Woche, die mit einem Picknick am Sonntag begann (bis heute hatte ich hier wirklich noch keinen Sonntag, an dem ich nicht zu einem Barbecue oder einem Picknick eingeladen war!) Sarah´s Eltern haben uns abgeholt und wir sind zu einem Strand am Lake Huron gefahren. Etwas ungewöhnlich war, dass man Eintritt zahlen musste, aber dafür war der Strand auch sehr sauber. Außer uns waren nur große Gruppen verschiedenster Nationalitäten dort, die je nach ihren Sitten und Bräuchen auch entweder gegrillt oder wahlweise auch skurril getanzt haben. Nach einer üppigen Stärkung haben wir uns dann entschieden eine Runde schwimmen zu gehen und das war echt ein Erlebnis! Das Wasser war zwar anfangs ziemlich kalt, wurde nach einigen Minuten aber doch angenehm. Das wirklich beeindruckende waren aber die Frachter die ca. 200m von uns entfernt vom River Huron in den Lake Huron gefahren sind. (Bevor wir hier gestartet sind, habe ich übrigens diesen Spruch aus dem Wohnzimmer gehört: „Ah, remember her, that she takes a top, you know, she´s from Europe“ – ja schon klar, normalerweise gehen wir nur nackt baden.)

Unser Badeausflug vom Sonntag konnte dann am Montag sogar noch getoppt werden. Denn am Montag war Labor Day, ein nationaler Feiertag, und wir waren mal wieder zu einem Barbecue eingeladen. Das besondere: Unsere Gastgeber hatten eine beheitzten Pool (der war so warm wie meine Badewanne sonst), einen Whirlpool (in dem wurde man fast gekocht) und ein Trampolin aufzubieten. So kam den ganzen Tag keine Langeweile auf und ich habe mich so richtig austoben können…



Und wie immer noch ein kleiner Absatz zu den kulinarischen Besonderheiten… Am Donnerstag war ich auf einer Opportunity Conference. Dort hat eine wirklich beeindruckende Referentin ein Seminar über Armut und vor allem über unser Verständnis und unseren Umgang mit Menschen in Armut gehalten, denn laut ihrer Schlussfolgerung, können wir es einfach nicht nachvollziehen und sollten mehr zuhören und nachvollziehen, als einfach unsere Lösungen anzubieten, womit sie wahrscheinlich recht hat! Aber ich war nicht nur dort um am Seminar teilzunehmen, sondern auch um meiner Chefin beim Catering zu helfen. Für 170 Teilnehmer gab es ungefähr 20 Torten wie sie im Bild zu sehen sind! Diese Torten begleiten einen hier tagtäglich und es gibt sie zu jeglichen Anlässen. Ihr Überzug besteht zu geschätzten 90% aus Zucker und ist meist auch nicht zu dünn. Jedenfalls bin ich gespannt, welche Variationen ich zu Halloween, Thanksgiving, Weihnachten und natürlich zum Valentinstag sehen werde und bin daher sicher, dass ich noch einige Zuckerschocks erleidern werde!

Sonntag, 5. September 2010

Darf ich mich vorstellen?

Für alle, die mich bisher als Julia (23) kannten – das war einmal. Jetzt habe ich es 23 Jahre meines Lebens, mit Ausnahme des Matheunterrichts in der 12 und 13 ohne Spitznamen ausgehalten, jetzt wird mir doch noch einer zugeteilt.

Hier bin ich nämlich Jules und definitiv unter 21. Denn Alkohol wird mir hier keiner ausgeschenkt und auch die kleinen Jungs auf der Straße denken, dass ich absolut in ihr Beuteschema passe.

Im ersten Supermarkt, der meinen deutschen Ausweis nicht akzeptieren wollte, habe ich dies zunächst noch auf die etwas zu penible Kassiererin geschoben und an eine Ausnahme geglaubt (mein Mitbewohner hat dann statt meiner den Wein gekauft…), aber dieses Spektakel sollte sich in den letzten Tagen noch einige Male wiederholen. Mein Ausweis wird hier nicht akzeptiert, weil man niemals zuvor einen deutschen Ausweis gesehen hat und weil man mir nicht glaubt, dass ich die 20 bereits überschritten habe – in einigen Jahren komme ich dann nochmal hierher, wenn ich wirklich mit meinem Alter hadere!

Das eigentlich witzige an der Sache ist aber, dass meine Mitbewohner ihr Alter mit ihrem Führerschein belegen. Der hat zwar immer das gleiche Format, ist ansonsten aber von Bundesstaat zu Bundesstaat ziemlich verschieden, sodass der meiner Mitbewohnerin z.B. aufgrund der leeren Kassen ihres Bundesstaats nicht mehr ist als unser alter Schülerausweis – also nur ein Papierlappen ohne jegliche Wasserzeichen oder ähnliches. Aber mein Ausweis ist gefälscht…

Dennoch habe ich natürlich Verständnis für alle Kellner, denn die Strafen für den Ausschank von Alkohol an Jugendliche unter 21 sind hier sehr sensibel und wie meine Mama zu recht gesagt hat: „Man kann auch ohne“ – muss aber nicht! So haben wir gestern Abend einen Abend mit amerikanischen Trinkspielen hier bei uns zuhause veranstaltet. Der wohl größte Unterschied zu unseren Trinkspielen ist, dass bei den meisten Spielen jeder viel trinken muss, ob er nun gewinnt oder verliert. Außerdem gibt es hier kaum „Kurze“, sondern man nimmt eher einen großen Schluck aus Flasche oder Glas, weshalb sehr häufig das „Exen“ der kompletten Flasche verlangt wird.

Am Mittwoch wurde ich zu einer Motorrad-Tour mit anschließendem Biker-Treff abgeholt – sehr cool und vor allem sehr amerikanisch! Die ersten amüsierten Blicke galten meiner Jacke, die ich trotz 30 Grad Außentemperatur angezogen habe. Solche Sicherheitsmaßnahmen hält man hier nämlich für überflüssig. Dann ging es mit der Rennmaschine mit nicht mehr als 70 miles per hour zum Biker-Treff, wo außer uns vor allem ältere Herrschaften mit langen Haaren und Bärten sowie Harleys und Ganzkörper-Tattoos waren. Die meisten waren allerdings echt super freundlich! Aber nun zu den weiteren allgemeinen Verwunderungen meiner Gesprächspartner:
1. Da die Hells Angels auch anwesend waren, wollte ich wissen, was man hier so allgemein von den Hells Angels hält. In Amerika sind diese aber anscheinend nicht mehr als eine „ganz normale“ Gruppe von Motorradfahrern und nicht im geringsten mit der Szene in Hannover vergleichbar. Das ich also gehörigen Respekt vor einigen Anwesenden hatte, schien daher eher unangebracht.
2. Außerdem wurde ich gefragt, was mich denn bisher daran gehindert hätte den Motorradführerschein zu machen. Meine ehrliche Antwort war dann, dass es mir bisher einfach zu teuer war. Als die anderen dann erfahren haben, was so ein Führerschein in Deutschland kostet, wären sie fast in Ohnmacht gefallen! Hier belegt man nämlich einen Wochenendkurs, zahlt dann 25$ (was hier schon als unerhört teuer empfunden wird, da man in einigen anderen Staaten wohl nur 10$ bezahlen muss) und dann hat man seine licence.

Deshalb lautet eines meiner Vorhaben für´s nächste Jahr: Get my Motorbike driver´s licence!

Montag, 30. August 2010

Ich mag doch keinen Sellerie...

Der größte Unterschied zwischen Deutschen und Amerikanern ist wahrscheinlich wirklich das Essen! Zwar kann man hier gesund und ausgewogen essen, die meisten machen davon aber keinen Gebrauch und haben auch nicht vor es zu tun. Cookies gehören hier zu jedem Essen dazu, auch wenn es nur eine Zwischenmahlzeit ist und wie bereits beschrieben kauft man alles in etwas größeren Packungen, auch wenn man nur in einem 2-Personen-Haushalt lebt.

Dennoch gibt es ein Gemüse, dass sich hier in fast jedem Essen befindet, vielleicht weil man damit versucht die ungewöhnlich hohe Kalorienzufuhr durch Käse, Cookies, Chips (gibt es auch zu fast jedem Essen dazu)und icecream zu kompensieren. Keine Ahnung ob Sellerie tatsächlich gute Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat, mir schmeckt er jedenfalls nicht. Und ich kann absolut nicht verstehen, wie die sonst so „leckeren“ Amerikaner dieses Gemüse lieben können.

Freitag gab es dann doch einmal Gemüse, nämlich Sauerkraut. Sssszauerrkrowd wie der Amerikaner es ausspricht. Und ich nehme mal an, dass meine Anwesenheit vielleicht auch an diesem Essen Schuld war. Sauerkraut allein schmeckt aber ja nicht, deshalb wird es hier mit ungefähr 5 Litern Bratensoße gekocht, damit man auch ja kein Ssszauerrkrowd mehr schmeckt. Dennoch vielen lieben Dank an dieser Stelle an all jene, die mir hier ein bisschen Heimat zaubern wollen.

Heimat gab´s auch gestern für mich, denn ich war mit meinen Mitbewohnern mal wieder zu einem Picknick eingeladen, bei dem es eine Treckerausstellung mit ganz vielen alten Treckern gab, die zum Schluss alle schön im Kreis an uns vorbeigefahren sind – das war dann schon eher wie zuhause in Schneeren ;-) Bei diesem Picknick habe ich dann auch die wahrscheinlich 10te Einladung bekommen in das kleine Örtchen Frankenmuth zu fahren (wiederum ein Versuch mir meine Kultur zu erhalten). Frankenmuth sei das „German Village“. Den Erzählungen entnehme ich jetzt einfach mal, dass es sich hierbei eher um ein „Bavarian Villiage“ handelt und auch das wahrscheinlich eher die kulturellen Besonderheiten Bayerns vor 100 Jahren optimal zu vermarkten versucht – aber ich bin gespannt!

Zu meinem Leitwesen hatten auch viele Besucher dieses Picknicks (es waren insgesamt vielleicht 150) die Samstags-Ausgabe des Times Herald gelesen. Die Times Herald ist die Regions-Zeitung, in welcher ich sowohl auf der ersten als auch mit einem fast ganzseitigen Artikel im mittleren Teil abgebildet wurde. So hatten viele Leser die Möglichkeit mich auf einem der drei Fotos zu erkennen und die lokale Berühmtheit dann auch ganz persönlich beim Picknick zu treffen ;-) Naja, dieser Vorfall zeigt zumindest, dass der Inhalt lokaler Medien hier wirklich nicht so anspruchsvoll ist und man es eher in Port Huron, als in Hollywood versuchen sollte, wenn man zu einem Society Girl werden möchte. Dennoch habe ich beschlossen diese Karriere frühzeitig zu beenden…

Unter „Picknick“ versteht der Amerikaner an sich übrigens auch was ganz anderes als wir. Wie schon erwähnt liegt die Teilnehmerzahl deutlich über der, die wir so vermuten. Die Decken werden durch einen überdachten Platz mit bequemer Bestuhlung ersetzt (vermutlich weil manche sonst einfach nicht wieder aufstehen könnten…) und statt eines Picknickkorbs mit mitgebrachtem Essen wartet ein Catering Service mit HotDogs und Hamburgern. Um sich auch der anstrengenden kleinen entledigen zu können, gab es dann außerdem einen Clown und einen Zauberer.

Außerdem gibt es hier an jeder Hausecke ein Museum. Eins für die Geschichte der Landwirte, eins für die Geschichte des Schulwesens, eins für die sportlichen Ereignisse, eins für alles, was irgendwie mit Militär zu tun hat (1979 ist übrigens ein amerikanischer Soldat aus dieser Gegend in Baden-Württemberg bei einem Autounfall ums Leben gekommen – was man nicht alles lernt!). Das eigentlich witzige an der Sache ist aber ja, dass die Ausstellungsstücke selbst nie älter als 100 Jahre sind und dass diese dazu noch sehr selektiv ausgewählt wurden.

Neben den kulinarischen Eindrücken die ich gesammelt habe, habe ich mich die letzten Tage vor allem am Wasser aufgehalten, was dank der 36 Grad die wir hier haben (ich habe tatsächlich ein Thermometer mit °C-Angaben gefunden, sodass dies keine eigenwillige Umrechnung von mir ist!) natürlich sehr angenehm ist.



Freitag habe ich meine Mittagspause im „Great Lake Maritime Center“ verbracht. Außer mir wird dieses eher von älteren Herrschaften besucht und wahrscheinlich geschätzt, da dort jedes vorbeifahrende Schiff mit Namen, Baujahr, Fassungsvermögen und all seinen Besonderheiten sowie seiner Geschichte angesagt wird. Des Weiteren erhält man Ansagen, wann das nächste Schiff erwartet wird und ob es sich lohnt zu bleiben.

Samstag ging´s dann für mich selbst zu See. Wir waren auf einen Boottrip mit einem Schnellboot eingeladen. Ich nahm also an, dass wir hier auf den River Huron, oder den Lake Huron fahren würden um den Tag zu genießen. Aber da lag ich etwas falsch… Denn warum das nächste Ausflugsziel wählen! Wir sind stattdessen 1 ½ Stunden gefahren um den Lake St. Clairs zu erkunden. Mir war´s aber recht, denn ich war dann auch die Erste, die den Ring hinter dem Boot testen durfte – awesome! Wie sich nach einigen Minuten rausstellen sollte war ich allerdings auch die Letzte, denn das Boot wollte plötzlich einfach nicht mehr anspringen. Haben mir die Männer vorher noch erklärt, wie lange sie als amerikanische Naturfreunde in der Wildnes überleben könnten, so sprangen sie dann hektisch, wild mit den Armen fuchtelnd von einem Bootsende zum anderen um andere Boote auf uns aufmerksam zu machen. Ich hätte auch gut noch ein Stündchen die Sonne genießen können, ab und zu ins Wasser springen können und das ausreichende Essen verspeisen – aber gut, wir wurden dann nach einigen Minuten sicher in den Hafen geschleppt.

Mittwoch, 25. August 2010

My first days in Port Huron

Jetzt, da ich endlich wieder Internet habe, möchte ich natürlich von meinen letzten Tagen berichten – und da gibt es einiges zu berichten. Angefangen bei einer wirklich freakigen Talentshow, über eine ungeplante Nacht in Chicago bis hin zu einem Mord in meiner Nachbarschaft…

Aber ich fange einfach mal von vorne an. Bevor wir alle zu unseren Einsatzstellen und damit in unsere Städte entlassen wurden, gab es wie auf jeder „Klassenfahrt“ einen Abschlussabend, hier in Amerika sind das wohl typischerweise Talentshows. Als am Nachmittag der Zettel rund ging und man sich eintragen konnte sofern man teilnehmen wollte, habe ich mich schon gewundert, wie viele Namen auf diesem Zettel standen! Diese Verwunderung sollte sich am Abend dann in Erstaunen und pures Entsetzen verwandeln. Denn von wirklich witzigen Showeinlagen (es wurde irgendeine berühmte amerikanische Fernsehshow imitiert), bis hin zur etwas schief gespielten und seltsam getanzten Darbietung eines irischen Volksliedes war alles dabei! Die Krönung dieses Abends war dann das Bier mit Drehverschluss – was aber irgendwie auch zum Abend passte.

Am nächsten Tag ging es mit einem typisch gelben amerikanischen Schulbus zum Flughafen. Das war eigentlich echt witzig, da sich 3 Leute eine Bank teilen mussten, diese aber nur für 2 Schulkinderhintern ausgelegt waren. Bevor ich aber zu unserer eigentlichen Reise komme, war eines der Highlights dieses Tages definitiv das Dessert beim Mittagessen. Eine Frau stand mit zahlreichen Gläsern in denen sich Vanilleeis befand hinter einem Tresen und hatte neben sich einige Kannen mit einer braunen Flüssigkeit. Ich dachte mir „Prima, Eiskaffee“, habe aber vorsichtshalber nachgefragt. Verstanden habe ich dann nur etwas von „beer“, war mir aber irgendwie sicher mich verhört zu haben. Nachdem ich den ersten Schluck genommen hatte musste ich dann wirklich würgen – so etwas Seltsames hatte ich selten zuvor geschmeckt.

Und jetzt kommt die Auflösung! An dieser Stelle ein großes Danke an meine Ravensburg Mädels, denn ihr wusstet vorher, dass ich absolut prädestiniert für Fettnäpfchen bin, ich habe dieses Kapitel im Fettnäpfchenführer aber leider erst an genau diesem Tag im Flugzeug gelesen – wie immer…

Und zwar handelte es sich bei diesem Getränk um Root Beer, das mehr oder weniger mit Malzbier verglichen wird, aber absolut anders schmeckt! Hier ein kurzes Zitat aus dem Fettnäpfchenführer USA „Dieser Vergleich (…) ist jedoch nicht richtig, da Malzbier aus Gerstenmalz, Hefe, Zucker und Kohlensäure hergestellt wird und auch ganz anders schmeckt als Root Beer, das ursprünglich aus den Wurzeln des Lorbeergewächses Sassafras hergestellt wurde. (…) Warum Amerikaner Root Beer köstlich finden, ist allerdings unerklärlich.“

So viel dazu! Die Fakten des Fettnäpfchenführers sind mir übrigens schon sehr häufig sehr nützlich gewesen und ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, aber es dreht sich tatsächlich alles in diesem Buch um Michigan und damit den Bundesstaat, in dem ich bin! Danke!

Aber zurück zu den Ereignissen… Der Flughafen von Minneapolis war so stark frequentiert wie in Deutschland ein Bahnhof, was aufgrund des schlecht ausgebauten Eisenbahnnetzes (hier kommt genau 1 Zug am Tag an und es fährt genau 1ner ab!) aber auch kein Wunder ist. Leider hatten die Flüge letzten Freitag hier im Nordwesten aber auch genauso viel Verspätung wie in Deutschland die Züge. So kamen wir mit 2 Stunden Verspätung in Chicago an und haben dann auch prommt unseren Anschlussflug nach Detroit verpasst. Dank der Intervention eines netten Herrn wurden uns 4 dann 2 Hotelzimmer bezahlt. Was aber das eigentlich Problem wurde: Wir haben unser Gepäck nicht zurück bekommen! Das hieß keine neuen Klamotten, keine Zahnbürste und kein Deo.
Dennoch sollte es ein echt witziger Abend mit Chicago Style Pizza werden, die ungefähr so aussieht wie ein deutlich zu groß geratener Kuchen und aus einer dicken Lage Boden, dann einer Lage Käse, wieder Boden und oben drauf Tomatensauce besteht – schmeckt aber wirklich sehr lecker!

(Zitat Fettnäpfchenführer: „Diese Pizza mit extradickem Boden und Unmengen Tomatensoße und Käse wurde 1943 in Chicago erfunden. Am Rande ist Chicago Style Pizza bis zu 7 Zentimeter hoch.“)

Angekommen in Detroit wurde uns zunächst von unserem „Chauffeur“ – dem Pastor – eine Rundfahrt durch Detroit geboten. (Im Nachhinein denke ich, dass er uns zunächst das größte Übel zeigen wollte, damit wir hier ganz zufrieden sind…) Jedenfalls waren in diesem Viertel einige Häuser total zerfallen, danach kam dann wieder eins, was zerfallen, aber noch bewohnt war, dann kamen einige zerfallene und wieder eins, das bewohnt, aber vielleicht auch noch ganz gut instand gehalten war (dann aber umzäunt mit einem mindestens 2m hohen Zaun!) Berichtet wurde uns auf der Heimfahrt dann, dass man in einigen Teilen Detroits einfach alle Häuser abreist und Farmen baut, damit die Menschen sich zumindest selbst versorgen können – das nenne ich eine Perspektive! Aber immerhin, es wird etwas getan!

Hier angekommen war ich wirklich positiv überrascht. Wir haben ein ganzes Haus für uns! Aber es ist, abgesehen von der Veranda zur Straße, die besonders für meine drei Mitbewohner außerordentlich wichtig war (vielleicht ein Statussymbol?), gar nicht amerikanisch. Denn es wurde bereits 1890 gebaut (ich wusste gar nicht, dass Amerika schon entdeckt, bzw. von Siedlern in Besitz genommen wurde ;-).



Nach einer kurzen Inspektion des Hauses durfte ich dann feststellen, dass wir aber (sehr amerikanisch) fast alles besitzen: Vom elektrischen Dosenöffner, über einen Bageltoaster bis hin zur Industriewaschmaschine –alles da! Auch der Kühlschrank war voll, aber an 0%-Fett-Milch muss ich mich definitiv noch gewöhnen!

Nachdem wir also Samstag endlich angekommen waren, wollten wir uns am Sonntag bei der Gemeinde bedanken und sind zum Gottesdienst gegangen…von dem aus wir dann direkt zu einem weiteren gefahren wurden, wovon wir nichts wussten. (2 Gottesdienste an einem Tag, kann das irgendjemand toppen – außer Aki? Du wärst übrigens arbeitslos hier, denn die Musik kommt vom Band.)

In den Gottesdiensten hier bekommt man ein (in meinem Fall) 12-20 (!) seitiges Heftchen, das einem den Verlauf des Gottesdienstes aufzeigt. Außerdem neu für mich war, dass die Kirche einen kostenlosen DVD Verleih angeboten hat und der Gottesdienst live im Radio übertragen wurde.

Anschließend an die Gottesdienste wurden wir von einer dritten Kirchengemeinde (Kirchengemeinden gibt es hier wirklich wie Sand am Meer) zum Picknick eingeladen. Dies fand am Ufer des River Huron statt, von dem aus wir den freien Blick auf Kanada hatten. Mein Highlight des Picknicks war übrigens, dass man mir gesagt hat, dass ich mich ja so gesund ernähren würde. Was normalerweise ja auch stimmt. Allerdings hatte ich auf meinem Teller Weintrauben eingelegt in eine Sahne- Frischkäsesauce bedeckt mit Zimt und braunem Zucker. Also die reinste Kalorienbombe!

Gestern ist dann noch ein kleiner Mord in der Nachbarschaft passiert, bei dem erst ein Mann umgebracht wurde und seiner Frau zunächst der Arm und später die Kehle durchgeschnitten wurde. Aber keine Sorge, solange ich nicht Drogen in Berührung komme, dürfte mir hier eigentlich nichts passieren! Außerdem wurde der Täter auch gefasst.

Mittwoch, 18. August 2010

3 Sätze...

... die ich nicht mehr hören möchte!

Ich weiß, dass die folgende Sätze sehr unhöflich klingen werden und das tut mir auch wahnsinnig leid, denn bisher bin ich hier so wunderbar aufgenommen worden, aber auf genau diese 3 Sätze würde ich sehr gut verzichten können:

1. Oh, where are you from in Germany?
Denn die wenigsten Leute hier können etwas damit anfangen, wenn ich ihnen erkläre, dass ich aus Hannover komme und diese Stadt im Norden liegt (, außer dass es dort ganz berühmte Bretzel gibt :-) Und falls ganz zufällig jemand, dem ich in den nächsten Wochen begegnen werde, der nicht aus Deutschland kommt, diesen Blog liest: Nein, Hannover ist nicht in der Nähe von München!

2. What are you thinking about America?
Diese Frage habe ich gefühlt von allen 150 Volunteers hier auf dem Campus gestellt bekommen und ich habe sie 150 Mal gleich beantwortet (natürlich höflich und absolut begeistert!). Deshalb mein Tipp: Lasst auch einfach ein T-Shirt bedrucken mit dem Slogan "America is the most beautiful country in the world". An dieser Stelle geht ein Danke an Arno - ich hätte es wissen müssen.

Und dieser Satz wird mich wahrscheinlich über die gesamte Dauer meines Aufenthalts begleiten:
3. Does that make sense to you?
Liebe Lehrer und Referenten, dieser Satz ist genauso aufschlussreich wie: "Sind alle da?" Wenn auch nur die Hälfte alle Teilnehmer mit "Ja" antwortet, heißt das noch lange nicht, dass alle an Bord sind - ob nun physisch oder psychisch.

Aber ich möchte hier keinen falschen Eindruck vermitteln und zu den zahlreichen tollen Erlebnissen kommen! Denn gestern Abend durfte ich einen typisch amerikanischen Abend in downtown verbringen! Wir wurden von der College-Freundin meiner Mitbewohnerin abgeholt und sind zunächst zu einem Schnellrestaurant gefahren. Das allein war schon sehr erlebnisreich für mich, denn neben uns fuhren die Motorradfahrer ohne Helm oder jegliche andere Schutzkleidung, da es hier in Minnesota keinerlei Helmpflicht gibt.

Außerdem war ich froh nicht fahren zu müssen, denn bei so großzügig ausgebauten Straßen und einem speedlimit von 41 miles per hour hätte es mir doch sehr in den Füßen gekribbelt...

Anschließend sind wir dann mit dem Auto durch Minneapolis gefahren und haben uns die Stadt aus dem Auto raus angeschaut - da habe ich mich schon sehr amerikanisch gefühlt! Aber natürlich haben wir das Wahrzeichen der Stadt - den Skulpturen-Garten - dann doch zu Fuß erkundet. Abschließend ging es in eine typisch amerikanscihe Bar, wie sie laut meinen Mitbewohnern in jeder Vorstadt anzutreffen ist. Von außen sah es eher aus wie eine Lagerhalle in einem beliebigen Gewerbegebiet in Deutschland mit etwas mehr Lichtreklame. Innen war dann aber deutlich mehr Stimmung, da es ausreicchend Bildschirme gab, um jedem Gast einen ungehinderten Blick auf das Baseballspiel der Twins zu ermöglichen. Außerdem scheinen zu der Standardausrüstung einer guten amerikanischen Bar mindestens ein dutzend Spielautomaten zu gehören. Dabei war der mit Abstand beliebteste Spielautomat jener, an dem man mit Plastikgewehren auf Löwen oder andere Wilderer schießen konnte. Jedenfalls hat der gestrige Abend mein Interesse an Baseball geweckt, mir aber auch gezeigt, dass das Bier hier nicht so schmeckt wie in Deutschland, auch wenn es so heißt...

Montag, 16. August 2010

Pretzels of Hanover



Ja, endlich bin ich angekommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber auch meine Reise an sich war schon sehr spannennd, denn wer saß auf dem Platz direkt hinter mir im Flugzeug...?
Frau Richter, meine ehemalige Französisch- und Spanisch-Lehrerin :-)

Angekommen am Flughafen in Minneapolis, wurde ich zunächst von einem Cop (der meiner Ansicht nach auch einem Hollywoodstreifen hätte entsprungen sein können - Schnauzer, mittelgroß, graue Haare und braune Augen) in einen seperaten Raum geführt, da ich ja länger als 6 Monate bleiben werde (voraussichtlich...). Meine Erklärungen, weshalb ich hier ein Jahr Volunteering machen möchte, fanden sie dann aber ganz passabel und ich durfte den Raum, mit dem von der Wand lächelnden Barack Obama auch schnell wieder verlassen.

Zu meiner großen Verwunderung waren sogar beide Gepäckstücke in Minneapolis angekommen, denn in Hannover wollte man weder am Schalter, noch bei der Annahme für das Sperrgepäck Geld für mein zweites Gepäckstück haben. Allerdings war aus diesem Grund die weitere Reise zum Campus quer durch Minneapolis und St. Pauls umso anstrengender.

Zum Campus und der Gegend hier kann ich eigentlich nur so viel sagen - es ist genauso, wie man es aus den Filmen kennt: breite Vorstadtstraßen mit Holzhäusern und Verandas, der Campus besteht aus großen imposanten Backsteingebäuden und überall laufen Eichhörnchen herum.



Wer sich jetzt so langsam über den Titel des Eintrags wundert, hier die Erklärung
Hannover scheint in Amerika als Stadt zwar weitesgehend unbekannt zu sein, aber jeder kennt hier die Salzbrezeln aus Hanover! Deshalb waren die meisten Leute auch sehr verwundert, dass mir typische hannoversche Salzbrezel bisher unbekannt waren. Was sie allerdings nicht davon abhält mir unentwegt welche zu schenken :-) Aber beklagen werde ich mich deshalb eher nicht...

Jedenfalls geht es mir hier bisher echt super! Alle sind außergewöhnlich freundlich und zuvorkommend und meine zukünftigen Mitbewohner sind echt klasse! Gestern Abend sind wir losgezogen und ich habe mein erstes amerikanisches Eis bekommen :-)

Zusätzlich bin ich bereits im Besitz einer Sandwich-Card.

Mein bisher einzige Herausfordeurng stellt mein Bett da. Es geht mir bis deutlich über den Bauchnabel und wenn ich abends todmüde nur noch in jenes fallen möchte, ist erstmal Anlauf nehmen angesagt...