Sonntag, 12. September 2010

Jetzt weiß ich auch...

welchen Stellenwert „Sicherheit“ im Leben der Amerikaner hat. Denn auch wenn man in einigen Staaten ohne Helm Motorrad fährt, so versucht man dennoch jedes Risiko einer Verletzung aus dem Alltag zu verbannen. So haben am Freitag die alten Damen in der Suppenküche ein großes Brett genutzt um darauf die Kartoffeln zu schneiden. Als ich dann ein kleines Messer genommen habe und sie direkt in meiner Hand durchgeschnitten habe, habe ich fast einen Eklat ausgelöst! Das sei viiiieeel zu gefährlich, ich dürfte niemals ein Messer in Richtung meines Körpers bewegen, etc. Naja, ich habe ihnen dann erklärt, dass es in Deutschland jeder so macht und ich mich wahrscheinlich nicht verletzten werde und mir heimlich gedacht, dass meine Oma ihren Schock des Lebens gehabt hätte, wenn sie die Damen so hätte Kartoffeln teilen sehen.

Allerdings sollte ich am Freitag dennoch in einen kleinen Unfall verwickelt werden. Und zwar hole ich jetzt schon seit ungefähr einer Woche meinen neuen boyfriend regelmäßig zu einem Spaziergang ab. Um jetzt keine Verwirrung zu stiften: Er ist zwei Jahre alt, heißt Lucky und ist ein Golden Retriever (für alle, die jetzt seufzen, er ist wirklich unglaublich süß und Fotos werden folgen). Jedenfalls liebt Lucky –genau wie Mona – Eichhörnchen und Wasser. Wasser kann einem glücklicherweise im Gegensatz zu Eichhörnchen aber nicht plötzlich über den Weg laufen… Und die Eichhörnchenpopulation übersteigt unsere in Deutschland um ein vielfaches –weshalb ich vielleicht auf Lucky´s Sprint hätte vorbereitet sein sollen. Jedenfalls hat sich mein Stammhirn in dieser einen Sekunde dummerweise für und nicht gegen die Leine entschieden und so hat Lucky mich einfach hinter sich hergeschliffen. Zum Leidwesen meiner Knie. Blutend wie eine 4-Jährige nach den ersten Radfahrversuchen habe ich also den Rückweg angetreten. Dabei haben mir zahlreiche Menschen Hilfe und Pflaster angeboten, wobei mir alles über den Zaun gereicht wurde, da man ja nicht wissen kann, welche Krankheiten mein Blut so ausdünstet. Ok, das ist jetzt wirklich gehässig, aber es waren wirklich alle auf genügend Sicherheitsabstand bedacht!



Abgesehen von meinem kleinen Unfall hatte ich aber wirklich eine sehr tolle Woche, die mit einem Picknick am Sonntag begann (bis heute hatte ich hier wirklich noch keinen Sonntag, an dem ich nicht zu einem Barbecue oder einem Picknick eingeladen war!) Sarah´s Eltern haben uns abgeholt und wir sind zu einem Strand am Lake Huron gefahren. Etwas ungewöhnlich war, dass man Eintritt zahlen musste, aber dafür war der Strand auch sehr sauber. Außer uns waren nur große Gruppen verschiedenster Nationalitäten dort, die je nach ihren Sitten und Bräuchen auch entweder gegrillt oder wahlweise auch skurril getanzt haben. Nach einer üppigen Stärkung haben wir uns dann entschieden eine Runde schwimmen zu gehen und das war echt ein Erlebnis! Das Wasser war zwar anfangs ziemlich kalt, wurde nach einigen Minuten aber doch angenehm. Das wirklich beeindruckende waren aber die Frachter die ca. 200m von uns entfernt vom River Huron in den Lake Huron gefahren sind. (Bevor wir hier gestartet sind, habe ich übrigens diesen Spruch aus dem Wohnzimmer gehört: „Ah, remember her, that she takes a top, you know, she´s from Europe“ – ja schon klar, normalerweise gehen wir nur nackt baden.)

Unser Badeausflug vom Sonntag konnte dann am Montag sogar noch getoppt werden. Denn am Montag war Labor Day, ein nationaler Feiertag, und wir waren mal wieder zu einem Barbecue eingeladen. Das besondere: Unsere Gastgeber hatten eine beheitzten Pool (der war so warm wie meine Badewanne sonst), einen Whirlpool (in dem wurde man fast gekocht) und ein Trampolin aufzubieten. So kam den ganzen Tag keine Langeweile auf und ich habe mich so richtig austoben können…



Und wie immer noch ein kleiner Absatz zu den kulinarischen Besonderheiten… Am Donnerstag war ich auf einer Opportunity Conference. Dort hat eine wirklich beeindruckende Referentin ein Seminar über Armut und vor allem über unser Verständnis und unseren Umgang mit Menschen in Armut gehalten, denn laut ihrer Schlussfolgerung, können wir es einfach nicht nachvollziehen und sollten mehr zuhören und nachvollziehen, als einfach unsere Lösungen anzubieten, womit sie wahrscheinlich recht hat! Aber ich war nicht nur dort um am Seminar teilzunehmen, sondern auch um meiner Chefin beim Catering zu helfen. Für 170 Teilnehmer gab es ungefähr 20 Torten wie sie im Bild zu sehen sind! Diese Torten begleiten einen hier tagtäglich und es gibt sie zu jeglichen Anlässen. Ihr Überzug besteht zu geschätzten 90% aus Zucker und ist meist auch nicht zu dünn. Jedenfalls bin ich gespannt, welche Variationen ich zu Halloween, Thanksgiving, Weihnachten und natürlich zum Valentinstag sehen werde und bin daher sicher, dass ich noch einige Zuckerschocks erleidern werde!

1 Kommentar:

  1. Hey :)
    da ich ja jetzt auch Kommentare schreiben kann, nutze ich das auch mal ;)
    hoffe, deinen Knien geht es besser!
    und das Bild mit dem Pool hast du ja extra rausgesucht um uns neidisch zu machen, oder ;)?

    Die Torten gibt's übrigens in kleineren Variationen in jedem britischen Supermarkt (ich war ja schon mega begeistert :)! )
    lieben Gruß!

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