Montag, 30. August 2010

Ich mag doch keinen Sellerie...

Der größte Unterschied zwischen Deutschen und Amerikanern ist wahrscheinlich wirklich das Essen! Zwar kann man hier gesund und ausgewogen essen, die meisten machen davon aber keinen Gebrauch und haben auch nicht vor es zu tun. Cookies gehören hier zu jedem Essen dazu, auch wenn es nur eine Zwischenmahlzeit ist und wie bereits beschrieben kauft man alles in etwas größeren Packungen, auch wenn man nur in einem 2-Personen-Haushalt lebt.

Dennoch gibt es ein Gemüse, dass sich hier in fast jedem Essen befindet, vielleicht weil man damit versucht die ungewöhnlich hohe Kalorienzufuhr durch Käse, Cookies, Chips (gibt es auch zu fast jedem Essen dazu)und icecream zu kompensieren. Keine Ahnung ob Sellerie tatsächlich gute Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat, mir schmeckt er jedenfalls nicht. Und ich kann absolut nicht verstehen, wie die sonst so „leckeren“ Amerikaner dieses Gemüse lieben können.

Freitag gab es dann doch einmal Gemüse, nämlich Sauerkraut. Sssszauerrkrowd wie der Amerikaner es ausspricht. Und ich nehme mal an, dass meine Anwesenheit vielleicht auch an diesem Essen Schuld war. Sauerkraut allein schmeckt aber ja nicht, deshalb wird es hier mit ungefähr 5 Litern Bratensoße gekocht, damit man auch ja kein Ssszauerrkrowd mehr schmeckt. Dennoch vielen lieben Dank an dieser Stelle an all jene, die mir hier ein bisschen Heimat zaubern wollen.

Heimat gab´s auch gestern für mich, denn ich war mit meinen Mitbewohnern mal wieder zu einem Picknick eingeladen, bei dem es eine Treckerausstellung mit ganz vielen alten Treckern gab, die zum Schluss alle schön im Kreis an uns vorbeigefahren sind – das war dann schon eher wie zuhause in Schneeren ;-) Bei diesem Picknick habe ich dann auch die wahrscheinlich 10te Einladung bekommen in das kleine Örtchen Frankenmuth zu fahren (wiederum ein Versuch mir meine Kultur zu erhalten). Frankenmuth sei das „German Village“. Den Erzählungen entnehme ich jetzt einfach mal, dass es sich hierbei eher um ein „Bavarian Villiage“ handelt und auch das wahrscheinlich eher die kulturellen Besonderheiten Bayerns vor 100 Jahren optimal zu vermarkten versucht – aber ich bin gespannt!

Zu meinem Leitwesen hatten auch viele Besucher dieses Picknicks (es waren insgesamt vielleicht 150) die Samstags-Ausgabe des Times Herald gelesen. Die Times Herald ist die Regions-Zeitung, in welcher ich sowohl auf der ersten als auch mit einem fast ganzseitigen Artikel im mittleren Teil abgebildet wurde. So hatten viele Leser die Möglichkeit mich auf einem der drei Fotos zu erkennen und die lokale Berühmtheit dann auch ganz persönlich beim Picknick zu treffen ;-) Naja, dieser Vorfall zeigt zumindest, dass der Inhalt lokaler Medien hier wirklich nicht so anspruchsvoll ist und man es eher in Port Huron, als in Hollywood versuchen sollte, wenn man zu einem Society Girl werden möchte. Dennoch habe ich beschlossen diese Karriere frühzeitig zu beenden…

Unter „Picknick“ versteht der Amerikaner an sich übrigens auch was ganz anderes als wir. Wie schon erwähnt liegt die Teilnehmerzahl deutlich über der, die wir so vermuten. Die Decken werden durch einen überdachten Platz mit bequemer Bestuhlung ersetzt (vermutlich weil manche sonst einfach nicht wieder aufstehen könnten…) und statt eines Picknickkorbs mit mitgebrachtem Essen wartet ein Catering Service mit HotDogs und Hamburgern. Um sich auch der anstrengenden kleinen entledigen zu können, gab es dann außerdem einen Clown und einen Zauberer.

Außerdem gibt es hier an jeder Hausecke ein Museum. Eins für die Geschichte der Landwirte, eins für die Geschichte des Schulwesens, eins für die sportlichen Ereignisse, eins für alles, was irgendwie mit Militär zu tun hat (1979 ist übrigens ein amerikanischer Soldat aus dieser Gegend in Baden-Württemberg bei einem Autounfall ums Leben gekommen – was man nicht alles lernt!). Das eigentlich witzige an der Sache ist aber ja, dass die Ausstellungsstücke selbst nie älter als 100 Jahre sind und dass diese dazu noch sehr selektiv ausgewählt wurden.

Neben den kulinarischen Eindrücken die ich gesammelt habe, habe ich mich die letzten Tage vor allem am Wasser aufgehalten, was dank der 36 Grad die wir hier haben (ich habe tatsächlich ein Thermometer mit °C-Angaben gefunden, sodass dies keine eigenwillige Umrechnung von mir ist!) natürlich sehr angenehm ist.



Freitag habe ich meine Mittagspause im „Great Lake Maritime Center“ verbracht. Außer mir wird dieses eher von älteren Herrschaften besucht und wahrscheinlich geschätzt, da dort jedes vorbeifahrende Schiff mit Namen, Baujahr, Fassungsvermögen und all seinen Besonderheiten sowie seiner Geschichte angesagt wird. Des Weiteren erhält man Ansagen, wann das nächste Schiff erwartet wird und ob es sich lohnt zu bleiben.

Samstag ging´s dann für mich selbst zu See. Wir waren auf einen Boottrip mit einem Schnellboot eingeladen. Ich nahm also an, dass wir hier auf den River Huron, oder den Lake Huron fahren würden um den Tag zu genießen. Aber da lag ich etwas falsch… Denn warum das nächste Ausflugsziel wählen! Wir sind stattdessen 1 ½ Stunden gefahren um den Lake St. Clairs zu erkunden. Mir war´s aber recht, denn ich war dann auch die Erste, die den Ring hinter dem Boot testen durfte – awesome! Wie sich nach einigen Minuten rausstellen sollte war ich allerdings auch die Letzte, denn das Boot wollte plötzlich einfach nicht mehr anspringen. Haben mir die Männer vorher noch erklärt, wie lange sie als amerikanische Naturfreunde in der Wildnes überleben könnten, so sprangen sie dann hektisch, wild mit den Armen fuchtelnd von einem Bootsende zum anderen um andere Boote auf uns aufmerksam zu machen. Ich hätte auch gut noch ein Stündchen die Sonne genießen können, ab und zu ins Wasser springen können und das ausreichende Essen verspeisen – aber gut, wir wurden dann nach einigen Minuten sicher in den Hafen geschleppt.

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