Sonntag, 5. September 2010

Darf ich mich vorstellen?

Für alle, die mich bisher als Julia (23) kannten – das war einmal. Jetzt habe ich es 23 Jahre meines Lebens, mit Ausnahme des Matheunterrichts in der 12 und 13 ohne Spitznamen ausgehalten, jetzt wird mir doch noch einer zugeteilt.

Hier bin ich nämlich Jules und definitiv unter 21. Denn Alkohol wird mir hier keiner ausgeschenkt und auch die kleinen Jungs auf der Straße denken, dass ich absolut in ihr Beuteschema passe.

Im ersten Supermarkt, der meinen deutschen Ausweis nicht akzeptieren wollte, habe ich dies zunächst noch auf die etwas zu penible Kassiererin geschoben und an eine Ausnahme geglaubt (mein Mitbewohner hat dann statt meiner den Wein gekauft…), aber dieses Spektakel sollte sich in den letzten Tagen noch einige Male wiederholen. Mein Ausweis wird hier nicht akzeptiert, weil man niemals zuvor einen deutschen Ausweis gesehen hat und weil man mir nicht glaubt, dass ich die 20 bereits überschritten habe – in einigen Jahren komme ich dann nochmal hierher, wenn ich wirklich mit meinem Alter hadere!

Das eigentlich witzige an der Sache ist aber, dass meine Mitbewohner ihr Alter mit ihrem Führerschein belegen. Der hat zwar immer das gleiche Format, ist ansonsten aber von Bundesstaat zu Bundesstaat ziemlich verschieden, sodass der meiner Mitbewohnerin z.B. aufgrund der leeren Kassen ihres Bundesstaats nicht mehr ist als unser alter Schülerausweis – also nur ein Papierlappen ohne jegliche Wasserzeichen oder ähnliches. Aber mein Ausweis ist gefälscht…

Dennoch habe ich natürlich Verständnis für alle Kellner, denn die Strafen für den Ausschank von Alkohol an Jugendliche unter 21 sind hier sehr sensibel und wie meine Mama zu recht gesagt hat: „Man kann auch ohne“ – muss aber nicht! So haben wir gestern Abend einen Abend mit amerikanischen Trinkspielen hier bei uns zuhause veranstaltet. Der wohl größte Unterschied zu unseren Trinkspielen ist, dass bei den meisten Spielen jeder viel trinken muss, ob er nun gewinnt oder verliert. Außerdem gibt es hier kaum „Kurze“, sondern man nimmt eher einen großen Schluck aus Flasche oder Glas, weshalb sehr häufig das „Exen“ der kompletten Flasche verlangt wird.

Am Mittwoch wurde ich zu einer Motorrad-Tour mit anschließendem Biker-Treff abgeholt – sehr cool und vor allem sehr amerikanisch! Die ersten amüsierten Blicke galten meiner Jacke, die ich trotz 30 Grad Außentemperatur angezogen habe. Solche Sicherheitsmaßnahmen hält man hier nämlich für überflüssig. Dann ging es mit der Rennmaschine mit nicht mehr als 70 miles per hour zum Biker-Treff, wo außer uns vor allem ältere Herrschaften mit langen Haaren und Bärten sowie Harleys und Ganzkörper-Tattoos waren. Die meisten waren allerdings echt super freundlich! Aber nun zu den weiteren allgemeinen Verwunderungen meiner Gesprächspartner:
1. Da die Hells Angels auch anwesend waren, wollte ich wissen, was man hier so allgemein von den Hells Angels hält. In Amerika sind diese aber anscheinend nicht mehr als eine „ganz normale“ Gruppe von Motorradfahrern und nicht im geringsten mit der Szene in Hannover vergleichbar. Das ich also gehörigen Respekt vor einigen Anwesenden hatte, schien daher eher unangebracht.
2. Außerdem wurde ich gefragt, was mich denn bisher daran gehindert hätte den Motorradführerschein zu machen. Meine ehrliche Antwort war dann, dass es mir bisher einfach zu teuer war. Als die anderen dann erfahren haben, was so ein Führerschein in Deutschland kostet, wären sie fast in Ohnmacht gefallen! Hier belegt man nämlich einen Wochenendkurs, zahlt dann 25$ (was hier schon als unerhört teuer empfunden wird, da man in einigen anderen Staaten wohl nur 10$ bezahlen muss) und dann hat man seine licence.

Deshalb lautet eines meiner Vorhaben für´s nächste Jahr: Get my Motorbike driver´s licence!

1 Kommentar: