Dienstag, 1. Februar 2011

Ein Ausflug nach „Deutschland“

…für einen Tag, habe ich am letzten Freitag gemacht. Mehr oder weniger… Seit meiner Ankunft hier in Port Huron hat mich so ziemlich jeder versucht einmal nach Frankenmuth (gesprochen Frääänkenmuuuuuth) einzuladen und letzten Freitag habe ich dann schlussendlich nachgegeben. Denn neben der Stadt an sich gab es auch das Ice Festival zu bestaunen, das ist ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Künstlern, bei dem die schönste Eis- oder Schneeskulptur gewinnt. Im Rahmen dieses Eis Festivals spielte auf einem großen beheizten Zelt eine Militärkapelle und es gab frisch gezapftes Bier – um es vorwegzunehmen, dies war so ziemlich das deutscheste an der ganzen Stadt, neben warmen Kartoffelsalat und Weißwürsten (neben Sauerkraut und natürlich Bier so ziemlich das erste, was Amis zum kulinarischen Deutschland einfällt.)

Ansonsten haben wir wirklich nicht viel gemacht, als zu essen, Eisskulpturen anzuschauen und Essen zu kaufen. Dabei habe ich allen aus unserer Gruppe Glühwein und Weizen aufgeschwatzt und jeweils erklärt, wie man es zu verzehren hat.

Bevor es aber zurück nach PH gehen konnte, durfte ein Besuch im größten Weihnachtsladen der Welt nicht fehlen. Und davon macht man sich wirklich keine Vorstellung! Ein Supermarkt so groß wie ein handelsüblicher IKEA in Deutschland, der das ganze Jahr über nur Weihnachtsdeko verkauft. Um die Stellflächen vollzubekommen gibt es also Weihnachtskugeln in Form von Hunden, Baseballschlägern oder auch gleich ganze „Themen-Bäume“ zu kaufen. So sind, wie man mir erklärt hat, besonders Bäume zum ersten Weihnachten des Kindes gefragt (in diesem Fall sind die Kugeln hellblau oder rosa oder in „Storchenform“ und mit Namen, Gewicht, etc. des Kindes bedruckt) oder der „Hochzeits-Baum“, welcher sich durch weiße, schuhförmige Kugeln und ineinander-greifende Ringe auszeichnet.


Ach ja, aus aktuellem Anlass gab es auch den Valentinstag Weihnachtsbaum


Eines muss ich diesem Supermarkt aber dann doch lassen, die Ausstellung der Weihnachtskrippen aus allen Ländern der Welt war sehr authentisch. So war eine der Krippen, die als deutsches Beispiel gezeigt wurden genau jene, welche meine Mama jedes Jahr zu Heiligabend aufstellt.

Und Samstag sollte es dann auch spaßig weitergehen. Während wir nachmittags mit Alice und Ed beim ersten Teil des Chili-Festes waren (der zweite folgt dieses Wochenende mit Snowmobil-Rennen), wollten wir den Abend eigentlich ruhig angehen und hatten uns für Kino entschlossen. Auf dem Rückweg von der Bushaltestelle zurück nach Hause war es allerdings so kalt, dass ich Stacy vorgeschlagen habe doch einen kurzen Abstecher in eine Bar zu machen, ein Bierchen zu trinken und dann den Rest des Rückwegs anzutreten. Gesagt getan. Wir sind also rein in die Bar und haben zielsicher den Tresen angesteuert, bevor wir wirklich viel wahrgenommen haben. Das sollte dann nach und nach kommen. Denn wir waren in einer Bar gelandet, die in den späten 60ern bzw. 70ern hängengeblieben war. Es spielte eine Liveband deren Lead-Sängerin aussah und sang wie Goldie Hawn und auch Deko und Gäste waren irgendwie in diesem Jahrzehnt steckengeblieben. Trotz unserer mehr als winterfesten Kleidung, dem großen Altersunterschied zum Rest der Gäste und unseren eigentlich ganz anderen Plänen konnten wir uns jedoch nicht losreißen und spätestens bei „bitch“ von Meredith Brooks musste auch das lange Unterhemd dran glauben – wir hatten also unseren Spaß und der Rückweg hat sich dann auch ganz und gar nicht mehr kalt angefühlt.

Aber mein Wochenbeginn steht meinem Wochenende in nichts nach. Gestern habe ich nämlich Besuch bekommen. Außergewöhnlichen Besuch. Zunächst hat die Dame mir 5 Zeitschriften gegeben, mit den Worten, sie habe gehört, dass ich aus Deutschland komme und sie wolle mir mal wieder was zu lesen geben, dass ich in meiner Muttersprache lesen könne. Dabei muss ich wohl noch erwähnen, dass diese Dame keine übliche Kundin oder Helferin in der Suppenküche ist. Die Titel der Zeitschriften „Wachturm“ und „Erwachet“ kamen mir bekannt vor, ich wusste, dass es irgendwie in der Ecke „skurril“ in meinem Gehirn abgespeichert war, aber ich konnte es nicht gleich einordnen. Bis sie mich dann fragte, ob ich gläubig sei und ob wir uns vielleicht einmal treffen sollten um gemeinsam über unseren Glauben zu sprechen. Da fiel der Groschen. Eine Zeugin Jehovas! Auch wenn ich dann dankend abgelehnt habe – ganz wie es die amerikanische Höflichkeit gebührt – es hat mich schon beeindruckt welch eine gut organisierte und vor allem informierte Mitgliederakquise diese Religionsgemeinschaft (Sekte darf man wahrscheinlich in diesem Zusammenhang nicht sagen, denn ich gehe davon aus, dass sie auch diesen Eintrag finden – schöne Grüße an dieser Stelle!) betreibt.

Ja und dann habe ich noch etwas Neues zu: Der kleine Unterschied zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Alltag. Man kann hier mehr als 3 Mal einen falschen PIN eingeben ohne dass die Karte gesperrt wird. Peinlich es zuzugeben, aber wahr. Ich habe 3 Mal den falschen PIN eingegeben, was aber vor allem daran lag, dass ich die letzten Einkäufe mit einer anderen Karte getätigt hatte - ja, ich bin hier im Besitz von genauso vielen Karten wie die meisten Amerikaner auch. Dennoch bin ich gestern mit dem Gefühl nach Hause gegangen, dass mein Account jetzt gesperrt sei und ich bevor ich nicht zur Bank komme, nicht an Geld komme. Genau wie bei den meisten anderen, ist nämlich auch bei mir nicht immer auf allen Konten was drauf… Da mir mein Fehler aber gestern Nacht beim Einschlafen eingefallen ist, bin ich heute Morgen um 7 zum Supermarkt gestiefelt, habe den schlechtesten Nagellack meines Lebens gekauft, durfte dafür allerdings feststellen, dass meine Karte noch funktioniert.

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