Aber ich fange einfach mal von vorne an. Bevor wir alle zu unseren Einsatzstellen und damit in unsere Städte entlassen wurden, gab es wie auf jeder „Klassenfahrt“ einen Abschlussabend, hier in Amerika sind das wohl typischerweise Talentshows. Als am Nachmittag der Zettel rund ging und man sich eintragen konnte sofern man teilnehmen wollte, habe ich mich schon gewundert, wie viele Namen auf diesem Zettel standen! Diese Verwunderung sollte sich am Abend dann in Erstaunen und pures Entsetzen verwandeln. Denn von wirklich witzigen Showeinlagen (es wurde irgendeine berühmte amerikanische Fernsehshow imitiert), bis hin zur etwas schief gespielten und seltsam getanzten Darbietung eines irischen Volksliedes war alles dabei! Die Krönung dieses Abends war dann das Bier mit Drehverschluss – was aber irgendwie auch zum Abend passte.
Und jetzt kommt die Auflösung! An dieser Stelle ein großes Danke an meine Ravensburg Mädels, denn ihr wusstet vorher, dass ich absolut prädestiniert für Fettnäpfchen bin, ich habe dieses Kapitel im Fettnäpfchenführer aber leider erst an genau diesem Tag im Flugzeug gelesen – wie immer…
Und zwar handelte es sich bei diesem Getränk um Root Beer, das mehr oder weniger mit Malzbier verglichen wird, aber absolut anders schmeckt! Hier ein kurzes Zitat aus dem Fettnäpfchenführer USA „Dieser Vergleich (…) ist jedoch nicht richtig, da Malzbier aus Gerstenmalz, Hefe, Zucker und Kohlensäure hergestellt wird und auch ganz anders schmeckt als Root Beer, das ursprünglich aus den Wurzeln des Lorbeergewächses Sassafras hergestellt wurde. (…) Warum Amerikaner Root Beer köstlich finden, ist allerdings unerklärlich.“
So viel dazu! Die Fakten des Fettnäpfchenführers sind mir übrigens schon sehr häufig sehr nützlich gewesen und ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, aber es dreht sich tatsächlich alles in diesem Buch um Michigan und damit den Bundesstaat, in dem ich bin! Danke!
Aber zurück zu den Ereignissen… Der Flughafen von Minneapolis war so stark frequentiert wie in Deutschland ein Bahnhof, was aufgrund des schlecht ausgebauten Eisenbahnnetzes (hier kommt genau 1 Zug am Tag an und es fährt genau 1ner ab!) aber auch kein Wunder ist. Leider hatten die Flüge letzten Freitag hier im Nordwesten aber auch genauso viel Verspätung wie in Deutschland die Züge. So kamen wir mit 2 Stunden Verspätung in Chicago an und haben dann auch prommt unseren Anschlussflug nach Detroit verpasst. Dank der Intervention eines netten Herrn wurden uns 4 dann 2 Hotelzimmer bezahlt. Was aber das eigentlich Problem wurde: Wir haben unser Gepäck nicht zurück bekommen! Das hieß keine neuen Klamotten, keine Zahnbürste und kein Deo.
(Zitat Fettnäpfchenführer: „Diese Pizza mit extradickem Boden und Unmengen Tomatensoße und Käse wurde 1943 in Chicago erfunden. Am Rande ist Chicago Style Pizza bis zu 7 Zentimeter hoch.“)
Angekommen in Detroit wurde uns zunächst von unserem „Chauffeur“ – dem Pastor – eine Rundfahrt durch Detroit geboten. (Im Nachhinein denke ich, dass er uns zunächst das größte Übel zeigen wollte, damit wir hier ganz zufrieden sind…) Jedenfalls waren in diesem Viertel einige Häuser total zerfallen, danach kam dann wieder eins, was zerfallen, aber noch bewohnt war, dann kamen einige zerfallene und wieder eins, das bewohnt, aber vielleicht auch noch ganz gut instand gehalten war (dann aber umzäunt mit einem mindestens 2m hohen Zaun!) Berichtet wurde uns auf der Heimfahrt dann, dass man in einigen Teilen Detroits einfach alle Häuser abreist und Farmen baut, damit die Menschen sich zumindest selbst versorgen können – das nenne ich eine Perspektive! Aber immerhin, es wird etwas getan!
Hier angekommen war ich wirklich positiv überrascht. Wir haben ein ganzes Haus für uns! Aber es ist, abgesehen von der Veranda zur Straße, die besonders für meine drei Mitbewohner außerordentlich wichtig war (vielleicht ein Statussymbol?), gar nicht amerikanisch. Denn es wurde bereits 1890 gebaut (ich wusste gar nicht, dass Amerika schon entdeckt, bzw. von Siedlern in Besitz genommen wurde ;-).
Nach einer kurzen Inspektion des Hauses durfte ich dann feststellen, dass wir aber (sehr amerikanisch) fast alles besitzen: Vom elektrischen Dosenöffner, über einen Bageltoaster bis hin zur Industriewaschmaschine –alles da! Auch der Kühlschrank war voll, aber an 0%-Fett-Milch muss ich mich definitiv noch gewöhnen!
Nachdem wir also Samstag endlich angekommen waren, wollten wir uns am Sonntag bei der Gemeinde bedanken und sind zum Gottesdienst gegangen…von dem aus wir dann direkt zu einem weiteren gefahren wurden, wovon wir nichts wussten. (2 Gottesdienste an einem Tag, kann das irgendjemand toppen – außer Aki? Du wärst übrigens arbeitslos hier, denn die Musik kommt vom Band.)
In den Gottesdiensten hier bekommt man ein (in meinem Fall) 12-20 (!) seitiges Heftchen, das einem den Verlauf des Gottesdienstes aufzeigt. Außerdem neu für mich war, dass die Kirche einen kostenlosen DVD Verleih angeboten hat und der Gottesdienst live im Radio übertragen wurde.
Gestern ist dann noch ein kleiner Mord in der Nachbarschaft passiert, bei dem erst ein Mann umgebracht wurde und seiner Frau zunächst der Arm und später die Kehle durchgeschnitten wurde. Aber keine Sorge, solange ich nicht Drogen in Berührung komme, dürfte mir hier eigentlich nichts passieren! Außerdem wurde der Täter auch gefasst.
Wow ich bin begeistert! Wusste garnicht, dass du auch in den USA bist.
AntwortenLöschenSchoener Blog!
Ich bin in San Diego und mache meinen Master. Bist herzlich eingeladen mich besuchen zu kommen.
Viele Gruesse!!
Anka