Montag, 29. November 2010

Mein erster und zweiter Ausflug nach Kanada

Zunächst aber mein Fazit zu Chicago: Es ist eine aufregende Stadt mit für amerikanische Verhältnisse viel Kultur und Geschichte, in welcher man wirklich eine schöne Zeit haben kann, wenn man sich denn warm genug anzieht! Denn wie mir eine Amerikanerin in London im März erklärt hat (als ich noch nicht genau wusste in welche Stadt es hier gehen wird) „Chicago is windy and cold!“

Das nächste Wochenende haben wir dann ebenfalls für einen Ausflug genutzt und sind zu den Niagara Fällen aufgebrochen. Dazu haben wir dann einen Mietwagen genommen. Den kleinsten Mietwagen, den man hier in Port Huron (und damit wahrscheinlich auch in ganz Michigan und den meisten Staaten von Amerika) bekommen kann ist übrigens ein Chevrolet HHR, was größenmäßig ungefähr einem Passat Variant entspricht. Bei immer noch wunderbarem Sommerwetter haben wir uns also aufgemacht hier in Port Huron die Grenze zu überqueren und Kanada zu erkunden. Nach ein-zwei Fragen zu unserem Reiseziel, mitgebrachten Gütern, etc. wurde uns von der Grenzbeamtin ein schöner Tag gewünscht und wir konnten einreisen (das sollte auf unserem Rückweg später ganz anders aussehen). Die erste Überraschung an diesem Tag war für mich, dass Kanada in Kilometern und nicht Meilen rechnet und auch Grad anstatt Fahrenheit hat. Und was soll ich sagen, es ist schon cool, wenn man plötzlich wieder ein Gefühl für Entfernungen hat (auch wenn unser Tacho ja immer noch Meilen angezeigt hat und wir uns deshalb wahrscheinlich nicht ganz ans Tempo-Limit gehalten haben.)

Die zweite Überraschung des Tages gab es dann für uns in der Stadt Niagara Falls. Hatten wir beide eher einen Naturpark um die berühmten Fälle und vielleicht ein paar Hotels erwartet. So empfingen uns tausende bunt-blinkende Lichter, Spielhallen, 3D-Kinos, zahlreiche Händler von Billigwaren (wie man sie sonst aus dem Sommerurlaub am Mittelmeer kennt) und noch mehr Fast Food Restaurants (in dieser Hinsicht unterscheiden sich Kanadier übrigens kaum von Amerikanern, außer dass ihre Fast Food Restaurants ein kleines bisschen mehr für die Umwelt und ihre Mitarbeiter tun…-angeblich). Ach ja, was ich nicht vergessen sollte: auch die Fälle selbst wurden in verschieden farbigem Licht angestrahlt. Um das Ganze Spektakel zu vollenden gab es in der Nacht übrigens auch noch ein Feuerwerk über den Fällen. Ich glaube, im ersten Moment waren wir beide etwas geschockt, aber als wir dann am nächsten Morgen wieder aus der Hotel-Lobby auf die Fälle geschaut haben, sah alles schon viel friedlicher und durch die bunten Bäume wirklich natürlich schön aus. Mein Tipp wäre also: Kommt im Hellen bei den Niagara Fällen an, wenn ihr sie denn besuchen wollt!

Nach einer Bootsfahrt direkt unter die Fälle und einem Spaziergang zur Abbruchkante, haben wir den Ort Niagara Falls dann aber auch schon wieder verlassen. Was euch an dieser Stelle vielleicht noch interessieren könnte und was ich von unserer Tour behalten habe: Jeder zweite Mensch, der sich bisher absichtlich oder auch unabsichtlich die Fälle hinuntergestürzt hat, hat überlebt! (Trotzdem würde ich es niemandem empfehlen und ich denke auch, dass es sich hierbei ausschließlich um den kanadischen Teil handelt, da beim amerikanischen Teil – ich glaube in den 60er Jahren viel Geröll abgebrochen ist und diese nun nicht direkt in Wasser, sondern zunächst auf Stein stürzen.)

Dabei fällt mir noch etwas Interessantes ein: Die Niagara Fälle werden sozusagen an- und ausgeschaltet. Denn den Fällen vorgelagert ist ein Staudamm, der in der Nacht Wasser staut und dieses dann am Tag wieder ablässt. So sind sie also die Nordamerikaner: schalten ihre Wasserfälle an und aus…



Auf unserem Rückweg haben wir dann noch kurz einen Abstecher ins kanadische London gemacht, bevor wir ein weiteres Mal versucht haben die Grenze zu überqueren. Dieses Mal mit eher mäßigem Erfolg! Denn nach einer kurzen und eher unfreundlichen Konversation mit dem Mann im Häuschen wurden wir gebeten an die Seite zu fahren, die Fenster des Wagens zu öffnen, die Autoschlüssel abzugeben und einem Beamten in ein Häuschen zu folgen. Als ich eingewendet habe, dass aber ja Handy und Kamera im Auto auf der Rücksitzbank liegen würden und ich die Fenster lieber schließen würde, wurde mir nicht besonders freundlich begegnet, ob ich denn wirklich glauben würde, dass bei der Anzahl an Sicherheitspersonal und Kameras jemand klauen würde. Da hatte der Mann vielleicht nicht ganz unrecht, dennoch lasse ich ungern mein Hab und Gut in einem Auto, das völlig offen steht und dessen Schlüssel eine mir unbekannte Person mit sich trägt!

Naja, nach ein ¾ Stunde Warten in einem zu kleinen Raum mit Personen aus hauptsächlich orientalischen Kulturkreisen wurden wir dann endlich ins Großraumbüro der Grenzbeamten vorgelassen um unser „Vergehen“ zu klären. Nach einer weiteren halben Stunde in der zumindest geklärt wurde, dass Philip nicht einfach so über den Landweg einreisen durfte – er kam ja schließlich aus Deutschland…- und er für die erneute Einreise bezahlt hatte, kamen wir dann zu mir. Denn ich war der weitaus kompliziertere Fall. Das Problem war, dass ich Geld für meine Arbeit erhalte (mehr oder weniger ja wirklich nur ein Taschengeld!) und ein Visum für gemeinnützige Arbeit habe, worunter man ausschließlich unbezahlte Arbeit versteht. Letztlich wurde mein Fall dann dem Schichtleiter vorgetragen, der mich dann wieder hat einreisen lassen. (Und wir hatten noch Glück, eine Dame hinter uns wurde ganz anders behandelt. Ihr Bruder wurde wegen irgendeines Verbrechens gesucht und sie hat immer wieder beteuert, dass sie seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm hat, das wollten die Beamten ihr aber nicht so recht glauben und haben sie echt ganz schön in die Mangel genommen.)

Nachdem Philip dann abgereist war stand dann auch schon Halloween vor der Tür! (Ich befinde mich übrigens in einem Wahnsinns-Dekorations-Marathon: Zuerst wurden aller Vorgärten mit Kürbissen, künstlichen Spinnennetzen, Skeletten, Spinnen und Ähnlichem für Halloween geschmückt, dann kamen die aufgeblasenen Truthähne (kein Witz und sie sind an die 2m breit und hoch!) für Thanksgiving und fast zeitgleich auch schon Schneemänner, Weihnachtsmänner, Schlitten, Elfen und Engel. Dabei gilt bei den meisten Amerikanern die Devise: Kein Weihnachten vor Thanksgiving! Was das wiederum heißt weiß ich jetzt auch schon, gestern und damit genau einen Tag nach Thanksgiving haben alle Radiosender angefangen ununterbrochen Weihnachtslieder zu spielen…) Nun aber zunächst zu Halloween. Ich denke, dass Amerikaner Halloween als Kompensation dazu nutzen, dass sie kein Karneval oder Fasching haben. Denn die Kostüme sind noch ausgefallener und knapper als ich sie vom Bonner und Kölner Karneval kenne!

Nach einem Besuch im Halloween Store, habe ich mich dann doch gegen das unheimlich knappe Schiedsrichter-Kostüm entschieden und meine eigenen Klamotten genutzt um als Pirat zu gehen. Zur Wahl standen übrigens außerdem March Simpson und ein Dirndl (ein amerikanisches Halloween-Dirndl wollte ich dann aber doch nicht.)

Das Wochenende nach Halloween sind wir alle gemeinsam ins Nirgendwo von Michigan zu unserem ersten Retreat aufgebrochen. Die Reise dorthin war schon spannend: sieben Erwachsene + Gepäck für fünf Tage inklusive Schlafsäcken und Wandersachen in einem Minivan von der Größe eines Opel Zafira… (ich dachte wir seien in Amerika und hätten damit Zugang zu vielen GROSSEN Autos, aber wenn man sie braucht…) Deshalb war die dreistündige Fahrt auf dem Freeway dann auch nicht die bequemste. Aber das eigentlich Witzige unserer Reise für mich kam nach dem Freeway: ein Kreisel. Denn Amerikaner sind keine Kreisel gewöhnt, wir sind wohl auf eines der wenigen Exemplare überhaupt gestoßen, weshalb wir davor angehalten haben und dann gemeinsam das Konzept eines Kreisels diskutiert haben, bevor wir reinfahren konnten.

Die vorgesehene Unterkunft für unser Retreat, wie ihr euch schon an den Schlafsäcken denken könnt, war ein summer camp. Es mag vielleicht an meinen Englisch Kenntnissen liegen, aber meiner Ansicht nach passen „summer“ und der Monat November nicht außergewöhnlich gut zusammen – was sich auch bewahrheiten sollte – es war schweinekalt! Aber wir hatten Glück, unsere kleinen Blockhütten hatten Zentralheizung. Allerdings ist es doch seltsam mit 20 weiteren Mädels in einem Raum zu schlafen… Dennoch haben mir diese Tage unheimlich gut getan. Wir waren wirklich mitten in der Wildnis von Michigan. Ein See, viele Bäume und an einem Morgen als ich zum Joggen aufgebrochen bin, standen direkt vor unserer „Lodge“ zwei riesige Rehe (fast Elche von ihrer Größe) und haben mir in die Augen geschaut, als ob sie sagen wollten, „wer zuerst blinzelt muss das Revier hier verlassen.“

Aber nun näher zum eigentlichen Retreat. Unter anderem haben wir dort unsere eigene Persönlichkeit näher erforscht, was bei mir nicht wirklich Überraschungen hervorgetan hat. Ich denke, dass ich:
- Den Impuls habe wirklich zu leben
- Ich gern meine Grenzen austeste
- Das Bedürfnis von Variationen in meinem Leben habe
Und vor allem:
- Warten als emotionalen Tod empfinde
Wusstet ihr auch alle schon vorher.
Vor allem letzteres mussten meine Eltern glaube ich ziemlich häufig leidvoll erfahren…



Dennoch haben mir die vier Tage viel gebracht. Zu reflektieren, wie wir selbst unsere Stärken auf unserer Arbeit und in unseren Beziehungen besser einbringen und unsere Schwächen durch Stärken anderer kompensieren können, ist nichts wirklich Neues, und dennoch denkt man immer wieder „stimmt“ warum mache ich dies nicht schon längst. Ich bin jetzt kein neuer Mensch, aber ich bin einen Schritt weitergekommen – denke ich ;-)

Außerdem Teil des summer camps war ein Hochseilgarten. Dieser war mal definitiv höher als alle, die ich bisher in Deutschland gesehen habe und es sind doch eine Menge der Teilnehmer aus den Übungen gefallen… was es nicht leichter gemacht hat als absolut Letzte in die Bäume zu klettern! Als ich ungefähr die Hälfte der Elemente überwunden hatte, hat es dann auch noch angefangen zu schneien. Ich habe mich wahrscheinlich noch nie in meinem Leben an etwas so fest gehalten, wie an den Seilen in diesen Bäumen, was zur Folge hatte, dass ich die nächsten drei Tage kaum Zähneputzen konnte, da ich meine Arme nicht mehr heben konnte. Den krönenden Abschluss des Hochseilgartens muss ich aber noch erwähnen: Diesen machte ein Element, bei dem man zunächst einige Meter in die Tiefe gesprungen ist, bevor das Seil gegriffen hat und einen dann wie bei einer Seilbahn zu Boden gebracht hat. Wenn das keine Vorbereitung auf meinen bevorstehenden Fallschirmsprung war…

Nach diesen Erfahrungen in der Wildnis stand dann wieder Großstadt auf meinem Reiseplan. Es ging ein zweites Mal nach Kanada, dieses Mal nach Toronto. Dort habe ich mich mit Daniel, einem Bekannten aus Ravensburg getroffen um die Stadt unsicher zu machen. Das kann man so auch ziemlich wörtlich nehmen, denn Daniel hatte sich vorher vor allem über die angesagtesten Clubs in Toronto informiert und so sind wir dann im „This is London“ gelandet. 3 Ebenen, wobei die dritte ausschließlich die Frauentoilette war: Mit Frisöse, die einem noch einmal die Haare zurecht gesteckt hat. Obwohl auch ich ein Kleid anhatte, habe ich mich dennoch ziemlich underdressed gefühlt und irgendwie fehl am Platz. Aber ich hatte eine spaßige Nacht und bin mir nun immerhin ziemlich sicher, dass mir auch die zugegebenermaßen kleinen Clubs und ihre geringe Anzahl in Port Huron ausreichen. Insgesamt kann man Toronto als super saubere Stadt, mit vielen interessanten kulturellen Einflüssen zusammenfassen, die mein Herz jedoch nicht erobert hat…

Bei meiner hiesigen Überquerung der Grenze wurde ich nach zwei-drei Fragen zu meinem Ziel, meinem Wohnort und warum ich denn die Schlange vor der Grenze gewechselt hätte (das darf man wohl nicht) problemlos wieder ins Land gelassen...

Und abschließend zu den letzten Tagen und damit Thanksgiving. Da dieses vom Stellenwert hier in Amerika gleich nach Weihnachten kommt, verbringt man es mit der Familie und isst einfach unglaublich viel. Deshalb waren auch alle ziemlich besorgt um mich, da ich Thanksgiving ja nun nicht mit meiner Familie feiern konnte. Von den zahlreichen Einladungen, die ich erhalten habe, habe ich mich dann für die von Sarah´s Familie entschieden. Sarah´s Bruder hat uns also Mittwochabend abgeholt und zu ihnen nach Hause gefahren. Die Familie lebt in einem total süßen Haus direkt hinter einem Park, mit einem abgetrennten Garten (das ist hier in Amerika eher unüblich) und neben vielen Bäumen auch einem Whirlpool in diesem (den wir dann später am Abend auch noch ausprobiert haben). Am eigentlichen Thanksgiving-Morgen sind wir dann früh aufgestanden und nach Detroit gefahren um dort die 2. Größte Parade des Landes anzuschauen (die größte ist natürlich in NY). Nachdem wir uns dort im wahrsten Sinne des Wortes die Füße abgefroren haben – sonst wird Kundenservice hier so groß geschrieben wie nirgends, aber es gab keinen einzigen Kaffee- oder Kakaoverkäufer (um Glühwein fange ich gar nicht erst an zu betteln…), ging es dann wieder zurück zu Sarah nach Hause um sich für’s Essen fertig zu machen. Zum Essen kamen dann zahlreiche Familienangehörige und Freunde und wir haben uns die Mägen genüsslich mit: Truthahn, Mashed Potatoes, Süßkartoffeln, Stuffing, Bohnen, verschiedenen Salaten, Cranberries, Pumpkin- und Applepie, etc. vollgestopft. Nach diesem tollen und so gemütlichem Tag bei Sarah’s Familie sollte dann aber die eigentliche Herausforderung des Wochenendes auf mich warten: Meine Rückfahrt nach Port Huron! Denn ich hatte Pläne für’s Wochenende hier und ich wollte Sarah auch allein noch etwas Zeit mit ihrer Familie gönnen.

Weshalb meine Rückfahrt eine Herausforderung war? Ganz einfach, weil es hier ja so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. In mühevoller Recherche hatte ich mir also einige Tage zuvor einen Bus von Detroit zur Kreuzung 23th Road – Gratiot ausgeguckt, wo ich dann in einen Bus nach Port Huron umsteigen wollte. Mit Nate, einem Freund von mir, war ausgemacht, dass er mich bei Sarah abholt (er hat Freitag direkt bei ihr um die Ecke gearbeitet) und mich dann mit in die Stadt nimmt, da wohnt er nämlich, damit ich dann von dort den einzigen Bus des Tages in Richtung Port Huron nehmen könnte. Meiner Ansicht nach war dies eine super Planung, da es für alle Beteiligten die wenigsten Umstände bedeutete. Und vor allem die einzige Möglichkeit, denn am Wochenende und an Feiertagen fahren hier keine Busse.

Meine einzige Option nach Hause zu kommen, habe ich dann aber schon vor meiner Abreise bei Sarah verstreichen sehen, da Nate ein kleines bisschen später war. Mein Glück: Er hat mich dann direkt zu meinem eigentlichen Bus gebracht. An dieser Bushaltestelle bin ich allerdings eine Stunde zu früh angekommen und ich wollte nicht, dass er auf mich warten muss, weshalb ich ihn nach Hause geschickt habe. Da es draußen eiskalt war, habe ich mir also das nächste Fast-Food Restaurant gesucht um dort auf den Bus zu warten. Und da war ich nicht die Einzige. In diesem Restaurant saßen schon um die 20, ausschließlich farbige Menschen, die außer mir auf den Bus warteten. Deshalb hatte ich dann eine wirklich witzige Stunde mit einer ca. 50 jährigen Frau, ihrem Sohn der stark übergewichtig war und mir etwas jünger erschien als ich und José aus Mexico, der so um die 60 gewesen sein muss. Allerdings war es wirklich erschreckend, dass ich die einzige im ganzen Bus war, die mit einer heilen Reisetasche gereist ist. Die meisten anderen waren mit Plastiktüten ausgestattet, wobei sogar diese Plastiktüten in vielen Fällen schon Löcher aufgewiesen haben. Diese Rückfahrt hat mein Thanksgiving also noch einmal in ein ganz anderes Licht gerückt…

Dienstag, 9. November 2010

Vom Einfall der Deutschen in Amerika und einigem mehr

Ja, ich weiß, dass mein letzter Eintrag eine Weile her ist und dafür möchte ich mich auch bei allen fleißigen Lesern herzlich entschuldigen! Aber mit meinem „Einleben“ hier ist eben auch ein voller Terminplan verbunden, denn mittlerweile habe ich neben meinen Dates mit Lucky sowohl Deutsch-Nachhilfe, als auch Deutsch-Unterricht für Interessierte auf meiner wöchentlichen To-Do-Liste.

Genug der Ausreden (ein bisschen faul war ich nämlich sicherlich auch), ich komme jetzt lieber zu all den Ereignissen der letzten Wochen, bzw. des kompletten letzten Monats – noch einmal ENTSCHULDIGUNG!

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe:
- Ich dachte immer, ich kann gut Eislaufen – in Michigan gehöre ich definitiv eher zur unteren Mittelschicht in Sachen Schlittschuhlaufen!
- Der legale Waffenbesitz ist tatsächlich eines der amerikanischen Ideale
- Das Gesundheitsamt ist keine deutsche Erfindung und auch Suppenküchen unterliegen strengster Kontrolle
- Die Deutschen sind in Chicago eingefallen ;-)
- In Kanada ist es Stripperinnen erlaubt sich komplett auszuziehen, während hier in Amerika das Höschen nicht ausgezogen werden darf…
- Jedes Land hat die freie Wahl, wann es seine Zeit von Sommer- auf Winterzeit umstellt – in der letzten Oktoberwoche zu reisen kann also ungeahnte Probleme mit sich bringen!
- Halloween-Kostüme sind noch freizügiger als Kostüme im köllschen Karneval
- Die Deutsche Bahn ist vielleicht doch nicht so schlecht wie ich (und vor allem mein Papa) immer dachten (ich weiß, dass einige meiner Freunde im Raum Stuttgart jetzt laut aufschreien werden, ich denke fest an euch!)
- Das einzige Thema der Grünen in Amerika ist die Legalisierung von Gras
- 1 voller Haushalts-Abfalleimer hat bereits 37 volle Abfalleimer der Industrie verursacht (das sind jetzt amerikanische Zahlen, dennoch denke ich, dass wir darüber alle einmal nachdenken sollten!)
- und noch viel, viel mehr…

Aber nun möchte ich euch etwas detaillierter an diesen Lernprozessen teilhaben lassen.

Das Eislaufen war, wie so viele Events hier, ein Fundraising Event, was bedeutet, das Geld für irgendwelche gemeinnützigen Zwecke gesammelt wird – in diesem Fall für Highschool-Sport. (Ohne zu lügen, werden wir bestimmt zu 3 Fundraising Events jede Woche eingeladen, manchmal mit dem Hintergrund selber etwas zu erstellen, das ist dann z. B. die Arbeit in Community-gardens, oder man entwirft ein Bühnenbild für ein Theater, oder man spendet ganz simpel durch eine Teilnahmegebühr, oder eben eine normale Spende, da sollten aber mittlerweile alle wissen, dass wir da nicht die beste Zielgruppe sind ;-)

Zurück zum Eislaufen. Ich habe mich riesig darauf gefreut, denn Schlittschuhlaufen macht mir echt Spaß und ich Deutschland war ich auch immer relativ stolz auf meine Fähigkeiten…

Hier habe ich das Gefühl, gibt es nur die totalen Anfänger und die absoluten Cracks – davon nicht zu wenig. Aber ich habe mir sagen lassen, dass Michigan zahlreiche Eishockey-Jugendligen hat, weshalb ich nicht mehr ganz so deprimiert über mein negatives Auffallen war. (Dabei sei gesagt: Ich war nicht die schlechteste, zwei deutlich übergewichtige Teenager haben dann doch noch etwas lustiger ausgesehen, was eventuell aber auch an den Körperproportionen lag, die von so schmalen Kufen getragen wurden.)

Inspiriert vom Fundraising Event ging es am darauffolgenden Freitag (ich habe wirklich zu lange nicht mehr geschrieben, muss ich gerade mal an meinem Vokabular feststellen…) zum örtlichen Eishockey-Derby. Das war wirklich ein Erlebnis! Denn unsere Fighting Falcons lagen im 3ten Drittel 3:10 hinten, weshalb dann eine riesige Schlägerei losging – nicht unter den Fans wohlgemerkt, unter den Spielern. Das ganze Spiel war für mein Verständnis relativ aggressiv gewesen, aber mit nur noch 2 (oder 3 – ich weiß es nicht mehr genau) Spielern auf dem Feld, da alle anderen mit Penalty kurz- oder langfristig gesperrt waren, hatte das Spiel nun definitiv seinen Höhepunkt erreicht. Um meinen Schrecken etwas in Grenzen zu halten (oder auszubauen – ich weiß es nicht) hat mir Sarah dann erklärt, dass man hier in Michigan auch zu sagen pflegt: „Oh eine Schlägerei, lasst uns ein Eishockey-Spiel anzetteln.“

Am nächsten Morgen haben Philip (der mich 10 Tage besucht hat) und ich uns dann mit dem Zug auf den Weg nach Chicago gemacht, was eine wirklich spannende Angelegenheit war.



Denn zum Einen ist Cicago eine großartige Stadt, zum Anderen entspricht reisen mit dem Zug hier mal so gar nicht meinen persönlichen Vorlieben. Bin ich in Deutschland gern in der letzten Minute in den Zug gehüpft, so muss man hier mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt bereitstehen um zu boarden. (bewusst nicht in „“ gesetzt, denn es heißt wirklich so!) Man zeigt dem Schaffner seinen Ausweis, die Tickets werden vorab geprüft und dann wird man dem speziell für einen vorgesehenen Waggon zugewiesen. Das einzig wirklich sinnvolle an dem ganzen Prozedere ist, dass der Schaffner darauf acht nimmt, dass Vierer-Plätze auch wirklich für Gruppen oder Familien freigehalten werden und, dass nur genau so viele Tickets verkauft werden, wie Sitzplätze zur Verfügung stehen – man muss also nicht irgendwo im Gang neben einer defekten Toilette lungern und die Bahn macht auch keinen Reibach mit Sitzplatzreservierungen – aber vielleicht befindet man sich hier gerade im Benchmarking-Prozess und diese Vorteile werden auch weichen müssen. Sind dann irgendwann alle Reisenden soweit platziert, kann der EINZIGE Zug am Tag dann den Bahnhof verlassen.

Angekommen in Chicago haben wir zunächst unsere Uhr um eine Stunde zurückgestellt (mit dem Zug in eine andere Zeitzone zu reisen ist schon cool, wie Philip festgestellt hat) um dann festzustellen, wie große Bahnhöfe in Amerika aussehen: Wie eine alte, widrig belichtete Lagerhalle! Wirklich! Nachdem wir dem Wirrwarr des Bahnhofs nach einer gefühlten halben Stunde dann entkommen sind, hat uns Chicago mit Regen und, wer hätte das gedacht: Wind empfangen! (Chicago wird hier auch „The windy City“ genannt)

Tja, was blieb uns am ersten Tag also anderes übrig als shoppen zu gehen ;-) Mein Fazit: Es lohnt sich! Nur ein Beispiel: Ich habe super tolle neue adidas Joggingschuhe für 60$ erstanden! Eine weitere Feststellung: Chicago ist überlaufen von Deutschen! Egal wo wir hingegangen sind, ein paar deutsche Worte konnten wir immer herauspicken. (Das witzigste war dabei wohl, dass wir uns auf dem Heimweg köstlich über eine deutsche Bekanntschaft in der Bar amüsiert haben, während wir auf zwei vor uns laufende, deutsche Studenten getroffen sind. Etwas enttäuscht war ich hingegen, als ich einer Frau die Museumstür aufgehalten habe und ich ihr auf ihr „Danke“ ein „Bitte“ erwidert habe, welches sie nicht registriert hat.)

To be continued…
…pretty soon – I promise!